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Predigt über: 1. Samuel 17, 1-54
David und Goliat – Wie wir Probleme überwinden können
von Pastor Joachim Schumann
gehalten in: 1. Sindelfingen am: 3.9.2000
Zielaussage: Im Vertrauen auf Gottes Hilfe können wir Probleme mutig angehen und bewältigen.
Wie wir Probleme überwinden können:
Indem wir
1. die Überheblichkeit des Problems erkennen
2.mutig das Problem angehen
3.auf die Erfahrung zurückgreifen, Probleme schon gemeistert zu haben
4.einen Perspektivwechsel vollziehen
5.uns auf unsere Kernkompetenz besinnen
6.dem Problem in die Augen sehen
7.im Vertrauen auf Gottes Beistand losgehen
8.das Problem beim Schopf packen
9.das Problem beseitigen
10.uns an die Zeichen des Sieges erinnern
Liebe Geschwister, die
Geschichte von David und Goliath ist eine der bekanntesten Geschichten aus der Bibel. Jeder von uns kennt sie x-mal aus der Sonntagsschule. Aber irgendwie bleibt sie immer nur eine Geschichte. Wir sind fasziniert
davon, wie der kleine David den Riesen Goliath besiegt. Aber das war’s dann auch.
Was mich in den Sommerferien bewegt hat, ist die Frage: Was hat mir diese Geschichte für mein Leben heute zu sagen?
Und deshalb möchte ich die Geschichte heute nicht heilsgeschichtlich auslegen. Also etwa der Frage nachgehen, ob dies die militärische Legitimation des späteren Königs David war.
Ich möchte die Geschichte auch nicht historisch-kritisch auslegen. Also etwa der Frage nachgehen, wie sich die Geschichte mit gewissen anderslautenden Äußerungen in 2. Samuel 21 vertragen.
Ich möchte die Geschichte heute einmal phänomenologisch und damit auch seelsorglich auslegen. Denn ich finde, in dieser Geschichte wird ein Phänomen umschrieben, mit dem wir es heute auch zu tun haben.
Nämlich dem Phänomen, dass sich manchmal in unserem Leben Probleme vor uns auftürmen, von denen wir nicht wissen, wie wir sie lösen können.
Die Ausgangsfrage ist: Wie können wir mit solchen Problemen fertig werden? Wie können wir sie überwinden und hinter uns lassen?
Beim Lesen der Geschichte von David und Goliath ist mir so etwas wie ein Zehn-Schritte-Programm aufgefallen, das uns bei der Lösung dieser Frage helfen kann.
Die Bedrohung Israels durch die Philister ist ein Bild für das Problem. Es baut sich vor uns auf und wird immer größer, bis es so riesig wie der Riese Goliath aussieht und kaum überwindbar zu sein scheint.
Wenn wir unsere Geschichte angucken, dann dauert es fast bis zur Halbzeit, ehe etwas gegen das Problem geschieht. 54 Verse hat die Geschichte. Und erst in Vers 26 denkt einer zum erstenmal daran, wie
man das Problem angehen kann. 12 Verse davon wird das Problem nur beschrieben. Dann kommt weitere 10 Verse das Einsprengsel mit der Versorgungsreise Davids. Und dann noch mal 3 Verse das Problem.
Probleme können ja was Hartnäckickes haben. In Vers 16 steht:
Vierzig Tage lang trat Goliat morgens und abends vor und forderte die Israeliten zum Zweikampf heraus.
Ein Problem 40 Tage lang ertragen zu müssen ist ja schon schlimm genug. Aber mancher wäre froh, wenn es nur 40 Tage wären. Probleme schieben sich manchmal vor uns her, ohne dass sie gelöst werden. Wir erstarren
davor, wie die Israeliten.
Wie kann nun ein erster Schritt aussehen, uns aus der Erstarrung vor dem Problem zu lösen?
David macht es vor. Er erkennt
„Dieser Unbeschnittene darf doch nicht das Heer des lebendigen Gottes verhöhnen!“ ruft er in V 26.
Als Verhöhnung empfindet er die Großmäuligkeit, den Hochmut und die Selbstüberschätzung des Problems. Probleme sind oft durch Menschen verursacht. Hier überhebt sich ein Mensch, wenn auch ein Riese, über Gott. Er
weiß gar nicht, auf was er sich da einlässt. Er weiß gar nicht, dass er gegen diesen Gott gar keine Siegchancen hat.
Wissen wir das auch, dass unsere Probleme keine Siegchancen gegen unseren großen Gott haben? Erkennen wir, wie hohl unsere Probleme oft in Wahrheit sind? Durchschauen wir, wie aufgebläht und selbstgerecht
unsere Probleme oft sind?
David nennt in dieser Geschichte an dieser Stelle zum ersten Mal das Wort Gott. Er setzt damit an den Anfang, womit Probleme zu bewältigen sind: Mit Gott! Gott hat die Macht, alle Probleme dieser
Welt zu besiegen. Wir müssen nur - wie David - im Vertrauen auf diesen Gott unsere Probleme ansehen. Dann werden sie mit einemmal viel kleiner als sie in Wirklichkeit sind.
Aufgrund dieses Vertrauens kann David
2.mutig das Problem angehen
Er erkundigt sich nach der Belohnung. Wohl, weil sich in seinem Kopf schon anbahnt, dass er gegen das Problem antreten will. Da melden sich die Bedenkenträger zu Wort. Allen voran sein Bruder.
Interessanterweise kann man sich ja in einem Problem einrichten. Und gerade die, die auch mit der Lösung des Problems beschäftigt sind, können manchmal am wenigsten dazu beitragen. Selbst die eigenen
Verwandten nicht.
Im Gegenteil, wenn sich eine Lösung zu unseren Gunsten anbahnt, dann werden sie neidisch, wie Davids Bruder, weil sie selbst nicht die Lorbeeren dafür ernten können. Die Bedenkenträger melden sich immer
bei solchen Gelegenheiten zu Wort. Sie diskutieren die Lösung zu Tode, indem sie endlos das Für und Wider abwägen und sich nicht entschließen können, zu handeln.
David aber will den Kampf mit dem Riesen aufnehmen, weil er
3.auf die Erfahrung zurückgreift, Probleme schon gemeistert zu haben
Er erinnert sich an seine Kämpfe als Hirte mit Löwen und Bären. Damals war das so, das ein Schafhirte dem Herdenbesitzer verlorengegangene Schafe von seinem eigenen Lohn ersetzen musste. Es sei denn, er
konnte anhand von zerfetzten Tierresten nachweisen, dass ein wildes Tier das Schaf gerissen hat. Deswegen waren die palästinischen Hirten für ihren großen Mut bekannt. David aber führt als Grund für seinen Mut an: Der
HERR hat mich vor den Krallen der Löwen und Bären geschützt, er wird mich auch vor diesem Philister beschützen! (V37)
Wieder kommt Gott ins Spiel. Und wieder ist Gott der eigentlich Handelnde. Der, der im Hintergrund die Macht hat, Probleme zu besiegen.
Das kann auch uns helfen, Probleme anzugehen: Die Erinnerung daran, dass Gott uns früher schon bei anderen Problemen geholfen hat. Und wenn nicht bei uns, dann doch wenigstens bei anderen. Warum sollte er
es dann nicht auch bei uns tun?
Diese Erinnerung an den Gott, der hilft, bedeutet gleichzeitig,
4.einen Perspektivwechsel zu vollziehen
Wir starren nicht mehr ängstlich auf das Problem, wie die entsetzten Israeliten, sondern wir richten unseren Blick auf Gott. Auf den Gott, von dem wirklich Hilfe zu erwarten ist. Wir machen uns frei davon,
selbst das Problem bewältigen zu müssen. Nicht wir müssen es schaffen. Sondern wenn es jemand schafft, dann ist es Gott.
Manche Ausleger meinen, dass Saul das Kriegsglück verlassen hat, weil er Gott ungehorsam war. Wegen dieses Ungehorsams war Gottes Geist von ihm gewichen, und darum hatte er sein Gottvertrauen verloren. Und
wegen dieses fehlenden Gottvertrauens meinte er, selbst dieses Philisterproblem beseitigen zu müssen. Dadurch wurde er mut- und kraftlos. David dagegen lenkt den Blick wieder auf Gott.
In seiner begrenzten Sichtweise will Saul ihn für den bevorstehenden Kampf mit dem Problem mit ihm bekannten Schutzmechanismen ausstattet. Aber David erkennt, dass er damit nicht gegen das Problem gewinnen
kann. Eine kiloschwere Rüstung hat bisher nicht geholfen, warum sollte sie es jetzt tun? Auch Sauls nicht. Mit altbewährten oder geradeeben deshalb auch nicht bewährten Mitteln ist vielen Problemen nicht beizukommen. Auch dann nicht, wenn die Mittel in Luxusausführung daherkommen.
Was uns helfen kann ist, dass wir
5.uns auf unsere Kernkompetenz besinnen
David jedenfalls tut das. Er erkennt, dass für ihn die Rüstung Sauls viel zu schwer ist. Damit kann er nicht kämpfen. Er überlegt sich, was er wirklich gut kann. Und das ist, mit der Schleuder umzugehen.
Das ist sein Gebiet. Wenn er sich auf die Kampfweise Goliaths einließe, hat er keine Chance.
Wenn wir uns auf die Mechanismen des Problems einlassen und uns seine Arbeitsweisen zu eigen machen, dann lösen wir das Problem oft nicht. Wenn wir uns dagegen auf das besinnen, was wir wirklich gut können, dann ist
schonmal ein weiterer Schritt von unserer Seite aus getan, Gott bei dem zu unterstützen, was er in seiner Macht tun will.
David führt ja nicht umsonst die Kampfmethoden des Problems ad absurdum, indem er Goliath zuruft: Du trittst gegen mich an mit Säbel, Spieß und Schwert. Ich aber komme mit dem Beistand des HERRN, des
Herrschers der Welt... (V 45)
Mit diesem Vertrauen auf Gott und der Anwendung seiner speziellen Kampfmethoden, seiner (von Gott gegebenen) Fähigkeiten kann er
6.dem Problem in die Augen sehen
Zwar steht hier im Text, dass Goliath auf David zukam, und Als er nahe genug war, sah er, wer ihm da entgegen kam ...(V 41-42). Aber ich nehme mal an, dass sie sich damit Auge in Auge
gegenüber traten.
David jedenfalls hat das riesige Problem fest im Blick.
Das ist ganz wichtig. Dass wir im entscheidenden Moment das Problem wirklich ansehen. Dass wir es analysieren und seine Schwachstellen ausmachen. Dass wir nicht drumherum schleichen. Dass wir ihm nicht
ausweichen. Oder gar in unsichtbare Ferne entrücken. Wir dürfen vor dem Problem nicht flüchten oder es verneinen, so tun als wäre es gar nicht da. Uns damit selber belügen. Gerade dann nicht, wenn das Problem in uns
selber ist.
Sondern erst, wenn wir das Problem ansehen und erkennen wie es wirklich ist, dann können wir es auch besiegen.
David ist sich seines Sieges gewiss, denn er weiß, wen er auf seiner Seite hat. Der Ausruf, den ich vorhin schon mal zitiert habe, macht es deutlich. . Ich aber komme mit dem Beistand des HERRN, des Herrschers der Welt...
Er weiß, er kann
7.im Vertrauen auf Gottes Beistand losgehen
In dem darauffolgenden Wortgefecht beruft sich David dreimal auf Gott, den Herrn. Wenn er das Problem besiegt haben wird, dann wird die ganze Welt erkennen, daß das Volk Israel einen Gott hat, der es beschützt. Auch die hier versammelten Israeliten sollen sehen, daß der HERR weder Schwert noch Speer braucht, um sein Volk zu retten. Denn der HERR bestimmt den Ausgang des Krieges und wird euch Philister in unsere Hand geben. (V 46f)
David ist sich also völlig im Klaren, dass Gott hier eigentlich handelt. Für ihn ist völlig unwichtig, mit welchen Methoden sich das Problem verteidigt. Er hat immer geeignete Methoden, um das Problem zu
besiegen.
In diesem Wissen begibt sich David in die heiße Phase. Denn jetzt geht es wirklich los, gegen das Problem anzutreten. Während das Problem angreift, bereitet er seinen Gegenangriff vor und trifft das
Problem an seiner schwächsten Stelle.
Das Problem ist benommen, vielleicht ohnmächtig, aber noch nicht tot. Es liegt am Boden. Mit Gottes Hilfe hat er die einzige Chance genutzt und gewonnen. Jetzt macht er dem Problem mit seinen eigenen Waffen vollends
den Garaus und packt
8.das Problem beim Schopf
Wir müssen uns schon rantrauen, wenn wir das Problem wirklich besiegen wollen. Keine Angst vor schmutzigen und unangenehmen Aufgaben! So wie David dem Goliath den Kopf abschlägt, das Steuerungszentrum des
Körpers, so müssen auch wir dem Problem seine Steuerungszentrale nehmen. Es darf keine Macht mehr ausüben. Es darf kein Leben mehr bedrohen. Es darf kein Unheil mehr anrichten. Das Problem besiegen wir erst, wenn
wir seinen Kern getroffen haben und herausgelöst haben.
Das reicht aber noch nicht. Das Problem liegt ja noch da. Es ist zwar schon besiegt. Aber wir sehen es immer noch. Wir sehen vielleicht auch noch die kleinen Problemchen die dahinter stehen.
Deshalb ist es wertvoll, wenn andere uns helfen
9.das Problem zu beseitigen
So wie die Israeliten die Philister in die Wüste gejagt haben, sollen auch andere uns helfen, unser Problem in die Wüste zu jagen. So wie die Israelieten der Bedrohung durch die Philister vollends den Garaus machten,
sollten auch uns andere helfen, die Bedrohung ganz loszuwerden. In der Gemeinde Jesus können wir solche Menschen finden. Menschen, die uns helfen, unser Problem ganz zu überwinden und einen neuen befreiten Weg zu
finden.
Wenn dieses alles gelungen ist, dann ist es gut wenn wir
10.uns an die Zeichen des Sieges erinnern
David nahm den Kopf Goliats mit und brachte ihn später nach Jerusalem; die Waffen Goliats bewahrte er in seinem Zelt auf. (V 54)
Was sich auf den ersten Blick grauselig anhört, ist aber im Blick auf unser Problem ganz wichtig.
Probleme neigen nämlich dazu, sich immer wieder in unseren Gedanken breit zu machen uns wieder in Anspruch zu nehmen und uns erneut zu bedrohen.
Und weil wir Menschen oft so vergesslich sind, ist es eine Hilfe, solche Zeichen des Sieges als Erinnerung ab und zu anzusehen. Dann denken wir wieder daran, wie Gott uns beigestanden hat und womit er uns geholfen
hat, das Problem zu besiegen. Und das gibt uns wieder neue Kraft, gegen andere Probleme anzugehen.
Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschlagen und mit meinem Gott über Mauern springen, jubelt David im 2. Samuel 22 und Psalm 18 Vers 30. Probieren Sie es aus! Mit Gott können Sie die Mauern ihres
Problems überspringen. Denn wer sich auf Gott verlässt der ist nicht verlassen.
Amen.
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