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Zielaussage:
In der Spannung zwischen dem Anspruch der Welt und dem Anspruch Gottes haben wir den Auftrag, als sein Segen in dieser Welt zu wirken.
I. Der Mensch denkt
Ihr Lieben,
die Spannung, in der sich Bileam befindet, ist oft auch die Spannung, in der ich stehe. Die Spannung zwischen dem Anspruch der Welt und dem Anspruch Gottes. Man könnte auch sagen die Spannung zwischen dem
Fluch des Geldes und dem Segen Gottes.
Oder geht es mir nicht tatsächlich so, dass ich durchaus zu Jesus wie der eine Schriftgelehrte sage: Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Oder wir fragen Jesus wie der reiche Jüngling:
Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das ewige Leben habe?
Die Gebote gehalten wie der reiche Jüngling haben wir auch.
Und dann kommt Jesus mit dem Satz: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!
Der Seher Bileam aus dem Vaterland Abrahams, möchte zunächst auch tun, was Gott will. Aber ihm wird mit einem Haufen Geld unter der Nase herumgewedelt. Und plötzlich wird er wankelmütig. Er weiß nicht, wie
er sich entscheiden soll und fragt von Mal zu Mal Gott in der Nacht um Antwort. So als wollte er sagen. Eigentlich möchte ich die Israeliten ja gerne verfluchen. Das Geld ist doch zu verführerisch. Was habe ich auch
mit diesem fremden Volk zu schaffen? Aber an Gott mag ich auch nicht ganz vorbei. Ich will doch hören, was er dazu zu sagen hat.
Ist das nicht genau die Spannung, in der ich mich persönlich befinde und vielleicht auch wir als Gemeinde?
Nämlich der Spannung, zwischen Gottes Auftrag an uns und unserem Sicherheitsstreben.
Bileam hatte den Auftrag, Gottes Segen weiter zu geben und er liebäugelte mit dem Geld des Barak.
Wir wissen eigentlich ganz genau, was Gottes Auftrag an uns ist: Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker (Mt 28,19 a). Wir aber lieben die Behaglichkeit und Überschaubarkeit unserer Gemeinde und bleiben lieber unter uns. Wir gehen nicht hin. Wir laden zwar ein. Und das ist auch eine wichtige Seite der Aufgaben der Gemeinde Jesus. Sammlung und Sendung. Aber wir können doch erst sammeln, wenn wir vorher hingegangen sind, und die Menschen mit Gottes guter Nachricht in Berührung gebracht haben.
Ihr Lieben, versteht mich nicht falsch. Ich will mich nicht über Euch erheben. Ich bin auch gerne in unserer Gemeinde. Hier fühle ich mich sicher. Hier kenne ich mich aus. Ich kenne die Abläufe, ich kenne
Euch. Hier habe ich auch ein kleines bisschen was zu sagen.
Und deshalb lade ich auch gerne Menschen hierher ein. Aber es ist unser Terrain. Menschen, denen Jesus begegnen möchte, müssen erst über unsere Schwelle kommen.
Hoffentlich ist sie niedrig genug.
Ich begebe mich damit noch nicht aus der warmen Sicherheit unserer Gemeinde heraus. Ich nehme damit noch nicht das Risiko auf mich, mich auf unsicheres Gebiet zu begeben, um den Menschen ohne Gott dort zu
begegnen, wo sie sind. Ich bin in keinem Sportverein. Ich gehe in kein Fitness-Center, in keine Diskos oder Kneipen, um mit den Leuten dort ins Gespräch zu kommen. Ich engagiere mich nicht lokalpolitisch. Ich bin
nicht bei der Feuerwehr oder beim Roten, Schwarzen, Blauen oder Weißen Kreuz.
Und ich frage mich, ob das gut ist. Wie sollen denn Menschen durch mich von Gottes guter Nachricht hören, wenn ich gar nicht mit Ihnen in Berührung komme?
Ich halte die Abschottung von der Welt in christlichen Gemeinden früherer Jahre für eine fatale Fehlentwicklung. Man meinte, die Jugend vor der bösen Welt schützen zu müssen, deshalb verbot man ihnen das
Tanzen, Kino, Jeans in der Kirche und andere angeblich verwerfliche Dinge. Dabei haben sie verlernt, wie man selbstbewußt, als fröhlicher Christ in seiner Umwelt glaubwürdig seinen Glauben bezeugt. Zum Glück ist das
heute nicht mehr so. Deswegen freue ich mich über Leute, die auch außergemeindliche Kontakte und Freundschaften unterhalten und pflegen. Aber es gibt auch nach wie vor Christenmenschen unter uns, deren Freundeskreis
nahezu ausschließlich aus Gemeindeleuten besteht.
Ihr Lieben, das ist nicht gut. Damit gewinnen wir niemanden für Jesus. Wir müssen keine Fische fangen, die schon im Netzwerk der Gemeinde Jesu eingebunden sind.
Sondern wir sind beauftragt, hinzugehen und alle Völker zu Jüngern zu machen.
Von allen Völkern kann bei weitem nicht die Rede sein. Der Christenheit in Deutschland gelingt es ja allenfalls vereinzelt, die Menschen aus Völkern zu erreichen, die zu uns kommen, um hier zu arbeiten.
Oder wo haben wir Ausländer in unserer Gemeinde?
Nein, wir gehen noch nicht genügend hin. Und solange das so bleibt, brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, wenn unsere Gemeinde nicht wächst.
Der Stand auf dem Weihnachtsmarkt im kommenden Winter ist ein guter Anfang. Aber es ist noch nicht alles. Uns muss noch mehr einfallen, wo wir hingehen wollen. Erst recht, wenn wir hier mit unserem
Umbau fertig sind.
Natürlich kann man einwenden: Nicht jeder ist ein Franz von Assisi. Der alle materielle Sicherheit hinter sich ließ, um ganz im Dienst Jesu zu wirken.
Aber es kommt darauf an, dass wir Jesu Auftrag ernst nehmen und mit seiner Hilfe danach leben. Wir müssen ja nicht allein hingehen, alle Völker zu Jüngern machen, sie taufen und lehren was Jesus uns befohlen hat.
Jesus sichert uns seinen Beistand zu: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.
Mit dieser Begleitung dürften wir eigentlich erleichtert losgehen. Er geht neben mir. Also lasst uns das Risiko eingehen und uns aus der Heimeligkeit unserer Gemeinde heraus bewegen und zu Menschen gehen,
die Gottes Segen in Jesus Christus nötig haben.
II. Gott lenkt
Bileam war sich auch nicht sicher, ob er Segen oder Fluch bringen sollte. Dreimal fragt er Gott in der Nacht, was er sagen soll. Vielleicht in der Hoffnung, dass Gott seinen Willen ändert.
Bileam wird an anderen Stellen der Bibel durchweg negativ bewertet. Das kommt hier in unserer Geschichte vielleicht gar nicht so stark raus. Aber schon wenige Kapitel später steht in 4. Mose 31,16 Siehe,
haben nicht diese die Israeliten durch Bileams Rat abwendig gemacht, daß sie sich versündigten am HERRN durch den Baal-Peor, so daß der Gemeinde des HERRN eine Plage widerfuhr? Stellvertretend für anderen
kritische Sichtweisen nenne ich noch die ntl. Rezeption in 2, Petrus 2, 15+16 Sie verlassen den richtigen Weg und gehen in die Irre und folgen dem Weg Bileams, des Sohnes Beors, der den Lohn der Ungerechtigkeit
liebte, empfing aber eine Strafe für seine Übertretung: das stumme Lasttier redete mit Menschenstimme und wehrte der Torheit des Propheten.
Auffällig ist auch, dass Bileam nicht mit dem Volk Israel zieht, obwohl er es segnen muss. 4. Mose 24,25 Und Bileam machte sich auf und zog hin und kam wieder in sein Land.
Und dass, obwohl er den Inhalt des Segens kannte. Am Schluss wird Bileam sogar bei der Besetzung des Ostjordanlandes von den Israeliten erschlagen: Jos 13,22 Dazu töteten die Israeliten Bileam, den Sohn
Beors, den Wahrsager, mit dem Schwert außer den schon von ihnen Erschlagenen.
Bileam erscheint in der Bibel als zwielichtige Persönlichkeit. Wohl nicht umsonst bedeutet der Name "Bileam" soviel wie "Verwünscher, Volksverdreher, Verderber"
Bileam ist zweilichtig, weil er sich nicht entscheiden kann zwischen seinem eigen Willen und dem Willen Gottes
Er möchte gerne das tun was er will, aber Gott zwingt ihn, seinen Willen zu tun.
Ist das nicht auch ein Konflikt, dem ich selbst manches Mal ausgesetzt bin. Ich bekomme – vielleicht morgens beim Bibellesen – den Impuls, jemanden zu besuchen, oder einen Brief zu schreiben, oder
anzurufen. Aber ich habe eigentlich gar keine Lust. Ich tue erst mal andere, vermeintlich wichtigere Dinge. Und so verläppert der Tag, ohne dass ich eine Gelegenheit wahrgenommen hätte, den Impuls in die Tat
umzusetzen. Und so verpasse ich die Gelegenheit, Gottes Segen weiterzugeben.
Wir müssen uns die Frage stellen: Tun wir wirklich das, was Gott will, oder tun wir in Wirklichkeit das, was wir lieber wollen?
Die Bileams-Geschichte zeigt auch: Wenn wir nicht wollen, Gott kann auch ohne uns. Die Passage mit dem Engel, der den Weg versperrt macht ganz deutlich, dass Gott durch seine Macht eingreift, wenn wir auf
dem Holzweg sind.
Der Satz des nicaraguanischen Befreiungstheologen Ernesto Cardenal: "Gott hat keine Hände nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun". Dieser Satz stimmt einfach nicht. Wenn wir uns gegen
Gottes Willen verhalten, hat Gott auch die Macht, ohne uns an sein Ziel zu kommen.
Aber er will gerne mit uns sein Ziel erreichen. Er will gerne mit uns seinen Segen unter die Völker bringen. Gott arbeitet mit Bileam weiter, obwohl der eigentlich was ganz anderes will. Gott arbeitet
auch mit uns weiter, auch wenn wir nicht tun, was er will.
Wenn wir nicht so enden wollen wie Bileam, dann müssen wir eines aus seiner Geschichte lernen: Der Weg Gottes ist ein Segensweg. Und wir tun gut daran, auf diesem Weg zu gehen. Deshalb kommt es darauf an,
dass wir auf Gott hören und tun was er sagt.
Aber wie hören wir das, was Gott will?
Indem wir uns immer wieder in die Gegenwart des Wortes Gottes begeben. "Wir betrachten die Bibel als Grundlage für unseren Glauben und unser Leben." So lautet eine unserer Leitaussagen, eine unserer Grundüberzeugungen, in unserem Leitbild "miteinander – füreinander". Das bedeutet konkret persönliche Bibellese. Es bedeutet die Auseinandersetzung mit der Bibel in Bibelkreisen, Hauskreisen, im Kirchlicher Unterricht und anderen Gruppen. Und nicht zuletzt auch biblische Lehre und Unterweisung im Gottesdienst durch Predigt, Schriftlesung oder auch die Lieder.
Hier hören wir, was Gott will. Hier erfahren wir, was er im Leben von Menschen getan hat. Hier sagt er uns seinen Beistand zu. Hier macht unser Herz bereit, für die Aufgabe, Segen weiterzugeben.
So wie es Dieter Trautwein in seinem Lied "Komme Herr segne uns" schreibt:
Keiner kann allein Segen sich bewahren.
Weil du reichlich gibt’s, müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.
Johannes und Petrus sagen beim Verhör vor dem Hohen Rat
Wir können's ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben. Apg 4,20
Gott segne uns für diese Aufgabe und er gebe uns den Willen und die Kraft, in seinem Segen wirksam zu sein.
Amen.
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