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Bibeltext

5 Am nächsten Tag kamen in Jerusalem die führenden Priester, die Ratsältesten und die Gesetzeslehrer zusammen, 6 dazu der Oberste Priester Hannas mit Kajaphas, Johannes, Alexander und all den anderen, die zur Familie des Obersten Priesters gehörten.

7 Sie ließen die Apostel vorführen und fragten sie: »Woher hattet ihr die Kraft, diesen Mann zu heilen? In wessen Namen habt ihr es getan?«

8 Petrus antwortete ihnen, erfüllt vom Heiligen Geist: »Führer des Volkes und seine Ältesten! 9 Wir werden hier vor Gericht gestellt, weil wir einem Kranken geholfen haben, und wir sollen Rechenschaft geben, wodurch er geheilt worden ist. 10 Nun, ihr und das ganze Volk Israel sollt es wissen: Es geschah im Namen von Jesus Christus aus Nazaret, eben dem, den ihr gekreuzigt habt und den Gott vom Tod auferweckt hat! Durch die Kraft seines Namens* steht der Mann hier gesund vor euch. 11 Auf diesen Jesus bezieht sich das Wort in den Heiligen Schriften: 'Der Stein, den die Bauleute weggeworfen haben, weil sie ihn für unbrauchbar hielten, ist zum Eckstein* geworden.'

12 Jesus Christus und sonst niemand kann die Rettung bringen. Auf der ganzen Welt hat Gott keinen anderen Namen bekannt gemacht, durch den wir gerettet werden könnten.«

 

Zielaussage: Wer an den Grenzen seiner eigenen Möglichkeiten angekommen ist, darf wissen: Ein Anruf bei Jesus genügt. Sein Name bedeutet "Gott rettet".

 

Ihr Lieben,

dreimal kommt in unserem Abschnitt der Name Jesus vor. Dreimal jeweils mit einer grundsätzlichen Überlegung. Darum möchte ich diese Predigt auch in drei Gedankeschritten halten:

I. Der Wunsch nach Erlösung

II. Der Name des Erlösers

III. Das Bekenntnis zum Erlöser

 

I. Der Wunsch nach Erlösung

Ihr Lieben,

wenn ich Besuche mache oder anderweitig mit Leuten ins Gespräch komme, dann habe ich den Eindruck, fast jeder hat irgendwie ein Päckle zu tragen. Jeder hat irgendwas, von dem er gerne erlöst werden möchte.

Bei einigen sind es gesundheitliche Probleme, die ihr Leben stark beeinträchtigen. Sie leiden unter Schmerzen oder sind in ihrer Leistungsfähigkeit ziemlich eingeschränkt. Andere haben Probleme mit ihren Kindern, zum Beispiel weil sie nicht den Weg des Glaubens gehen oder weil sie Lebensentscheidungen getroffen haben, Dinge getan haben, hinter denen die Eltern nicht stehen können. Dann gibt es welche, die hätten gerne Kinder, können aber keine bekommen, oder der Partner will keine. Wieder andere müssen sich um ihre alt gewordenen Eltern oder andere Angehörige kümmern. Dann gibt es welche, die sind sehr stark in die Pflege von kranken Angehörigen eingebunden. Einige leiden darunter, dass sie (bisher noch) allein geblieben sind. Sie wünschen sich einen Partner/eine Partnerin, jemanden, der sie liebt und den sie lieben können. Dann gibt es welche, die leiden darunter, dass ihr Partner sie nicht mehr liebt, oder jemanden anderen liebt, Beziehungen außerhalb der eigenen Ehe sucht. Einige sind im Beruf sehr stark eingespannt. Manche von Ihnen leiden unter der immer höher werden Produktivität in Ihrem Betrieb. Dass sie in immer kürzerer Zeit mit immer weniger Leuten ein immer höheres Betriebsergebnis produzieren sollen. Dann gibt es welche, die haben Probleme mit ihrem Geld. Es ist immer zu wenig davon da. So wenig, dass es kaum für sie selbst, geschweige denn für andere reicht.

Dies sind nur ein paar Beispiel dafür, welche Lasten eine ganze Reihe von Menschen tagen müssen.

Und wenn ich mich in der Welt umgucke, in der wir leben, dann höre ich diesen Schrei nach Erlösung immer wieder heraus. Das Streben nach Jugend nach Gesundheit und nach Reichtum ist im Grund ein Schrei nach Erlösung vom Älterwerden, von Schmerzen und von materieller Einschränkung. Und letztlich ist es ein Ruf nach Erlösung vom Tod.

Ich frage mich nur manchmal, ob diese Erlösung wirklich gewollt wird. Oder haben wir uns in unseren Problemen eingerichtet und sagen: "Ich muss mein Päckle halt tragen!" Ist dieser innere Wunsch nach Ent-Last-ung wirklich da? Oder geht es uns eher wie der Gemeinde in Afrika, die von ihrem Prediger ermahnt werden musste? Sie waren zu einem Gottesdienst zusammen gekommen, bei dem sie um Regen beten wollten. Der Prediger fragte sie, warum niemand einen Regenschirm mitgebracht hat?

Der Gelähmte aus Apostelgeschichte 3 hatte sich auch in seiner Krankheit eingerichtet. Vielleicht war er auch in einer Lebenssituation, wo er meinte, dass ihm gar nichts anderes mehr übrig blieb. Er ließ sich jeden Tag vor die Schöne Tür des Tempels bringen, um um Almosen zu betteln. Auch Petrus und Johannes bittet er darum. Er erkennt nicht, dass sie ihm die Rettung aus seiner misslichen Lage bringen könnten. Vielen Menschen außerhalb der Gemeinde Jesu geht es heute so. Sie tragen ihre Lebenslasten, aber sie wissen nicht, wer sie ihnen abnehmen könnte. Sie erkennen die nicht, die ihnen Rettung bringen könnten. Und innerhalb der Gemeinde Jesu ist das Wissen darüber, wer einen erlösen könnte, ja durchaus da. Aber wird es auch wirklich in Anspruch genommen?

II. Der Name des Erlösers

Offenbar muss es in beiden Fällen so geschehen, wie es hier bei Petrus und Johannes der Fall war: Die beiden gehen auf den Gelähmten zu, sagen ihm erst mal, was nicht hilft, nämlich alles Geld dieser Welt und dann heilen sie ihn im Namen Jesu Christi. Sie haben gewusst, was der Name Jesu bedeutet: Jehoschua – Gott rettet. Und das haben sie mit ihm erlebt, als er noch lebte. Und dazu waren sie von ihm beauftragt, nachdem er gekreuzigt und auferweckt worden war. Jesus lebt, denn er hat durch seine Auferstehung den Tod überwunden. Das war die grundlegende Erfahrung der Jünger. Und von da her wussten sie, dass der Tod nicht mehr das letzte Wort im Leben hat, dass alles Tödliche ein Ende haben wird. Und dass sie in der Kraft des auferstandenen Jesus diesem Tödlichen ein Ende bereiten können. In diesem Bewusstsein hat Petrus dem Gelähmten die entscheidenden Worte zugesagt: Ich habe nichts, was Du von mir erwartest. Aber ich habe die Kraft des Namens Jesu in mir. Und in diesem Namen sage ich Dir: Steh auf und geh umher! Petrus wusste, wer wirklich hilft. Und er hat den Auftrag Jesus ernst genommen und in die Tat umgesetzt. Und dann kommt noch ein interessanter Nachsatz. Da steht: Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. (Apg. 3,7a) Offenbar reicht es nicht, Menschen nur das gute Wort von Jesus zuzusagen. Man muss ihnen auch tatkräftig unter die Arme greifen. Und ich finde, das gehört auch in der Gemeinde Jesu zusammen. Sie ist nicht nur eine Kirche des Wortes sondern auch der Tat. Wo wart ihr denn, als am Freitag unsere Familie Vogt nach Weinheim umgezogen ist? Vogts haben mir am vergangenen Sonntag schon gesagt, dass sich niemand von Euch angeboten hat. So habe ich Ihnen versprochen, zu helfen. Am Freitag Nachmittag war ich dann auch von unserer Gemeinde der einzige. Wenn wir als Gemeinde wachsen wollen, wenn wir wollen, dass das "Miteinander – Füreinander" unseres Leitbildes tragfähig ist, dann müssen Wort und Tat wieder mehr eine Einheit werden. Dann dürfen wir nicht nur Erlöserkirche heißen. Dann muss man das bei uns auch erleben können. Und zwar nicht nur, wenn man zum inneren Kern der Gemeinde gehört, sondern gerade dann, wenn jemand noch versucht, mit unserer Gemeinde warm zu werden.

Petrus verbindet das Wort von Jesus Christus mit der Tat, dem Gelähmten auch aufzuhelfen. Und vielleicht ist das genau unser Platz: dass wir anderen aufhelfen. Sie aufrichten in ihrer Not. Dazu müssen wir die Not sehen. Und wir müssen uns klar sein, dass wir von Jesus beauftragt sind, diese Not in seinem Namen anzugehen.

Petrus und Johannes wussten das. Aber der Hohe Rat wusste das nicht. Sie fragen in dem Verhör die beiden, in welchem Namen und in welcher Kraft sie das getan hatten. Das ist die Frage nach der Vollmacht. Dahinter steckt die damalige Überzeugung, dass solche Heilungen nur von einer überirdischen Macht bewirkt werden konnte. Aber das konnte auch eine unterirdische sein. Und dazu sah sich der Hohe Rat als Wächter berufen. Sie wollten einschreiten, wenn jemand durch dämonische Kräfte heilte. Ihr Anliegen war also zunächst mal positiv. Dahinter steckte die Vorstellung, die zum Beispiel auch in der Zauberei eine Rolle spielte, dass man nur den Namen einer überirdischen Macht aussprechen musste, um sich ihrer zu bedienen.

Zu biblischer Zeit hatte der Name eine weitaus höhere Bedeutung als bei uns heute. Samuel – Gott hat erhört, Joel – Gott ist Herr, Jonathan –der Herr hat gegeben, Ruth - die Freundin, Rebekka – die Bestrickende, die Fesselnde, Martha – die Lehrerin, Saulus – der Erbetene, Paulus – der Kleine, Simon – die Erhörung, Petrus – der Fels. Und eben Jesus – Gott rettet, Gott erlöst, Gott befreit.

Der Hohe Rat kennt diesen Erlösernamen nicht. Obwohl sie Jesus erst kurz vorher verurteilt und den Römern zur Kreuzigung übergeben haben.

Aber aus dem Angeklagten Petrus wird auf einmal durch die Kraft des Geistes Gottes der Ankläger, der den Namen Jesu als Auftraggeber für die Heilung nennt. Kreuz und Auferweckung Jesu sind für ihn die Bestätigung für diese Bevollmächtigung. Petrus kennt den Namen des Erlösers. Aber kennen ich ihn auch. Oder nehme ich ihn überhaupt in Anspruch?

Heinz Schäfer berichtet gibt einmal folgende Geschichte wieder:

Einer der großen chinesischen Ströme ist bekannt durch eine besonders reißende Stromschnelle. Jedes Schiff und jedes Boot, dessen Steuermann nicht einen bestimmten Punkt an diesem gefährlichen Strudel kennt und seine Schiff dorthin lenkt, ist unrettbar verloren. Die Einheimischen haben an dieser Stelle einen gewaltigen Felsblock in den Strom gesenkt, der die Aufschrift trägt: "Auf mich zu!" Jedes Schiffer, der genau das tut, kommt unbeschadet an der gefährlichen Stelle vorbei.

Wir alle fahren auf dem gewaltigen Strom des Lebens. Und auch dieser Strom hat gefährliche Stellen, wie dieser Fluss in China. Da steht an einem tückischen Engpass "Du sollst Vater und Mutter ehren" und an einer anderen Stelle "Du sollst nicht begehren" – lauter reißende Stellen, an denen es für unser Leben gefährlich werden kann.

In diesen Strom hat nun Gott einen Felsblock hineingesenkt, der nicht aus totem Stein besteht: den lebendigen Felsen, der Jesus Christus heißt. Dieser Felsen spricht uns an. "Kommt her zu mir!"

Wer sein Lebensschiff auf diesen Felsen zusteuert, der wird leben. Denn Jesus Christus ist gekommen, damit wir das Leben im Überfluss haben sollen.

Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden, schreibt Paulus im Römerbrief, Kap. 10,13.

Gott rettet, das darf ich wissen. Und Jesus ist der Name der mir das klar macht. Und wenn mein Lebensschiff momentan woanders hinsteuert, dann darf ich das Ruder rumreißen und mich ihm zuwenden. Ich darf ihn anrufen und ihn bitten: "Herr hilf!" Das ist mehr als ein Stoßgebet. Das ist das Gebet eines Menschen, der weiß, dass er mit seiner Kraft und mit seiner Weisheit am Ende ist. Wenn ich immer wieder in den Stromschnellen des Lebens zu kentern drohe, wenn ich Gottes gute Gebote für ein gelingendes menschliches Zusammenleben  außer acht lasse. Dann darf ich Gott in Jesu Namen um Vergebung bitten, der am Kreuz mein Versagen auf sich genommen hat. Ich darf wissen: Ein Neuanfang ist möglich. So wie Jesus auferstanden ist, darf auch ich mit ihm auferstehen.

Ich wünsche Euch, dass es Euch dann nicht so geht wie den Menschen in der Hölle, von denen der Evangelist Wilhelm Busch einmal aus einem Buch zitiert: Sie denken vergeblich über einen Namen nach der sie retten könnte. Aber er fällt ihnen nicht ein, so lange sie sich auch den Kopf zermartern. Und als ein vorüber gehender Wanderer ihnen den Namen Jesu sagt, können sie ihn nicht hören, so laut er auch schreit. Und Wilhelm Busch endet dann mit den Sätzen: "Das wird die schrecklichste Hölle sein, dass man den Namen nicht mehr wissen darf, durch den wir Rettung und Seligkeit erlangen. Gott helfe uns, dass wir diesen Namen ernst nehmen, lieb gewinnen und anrufen, solange es noch Zeit hat."

Petrus und Johannes haben rechtzeitig die Erfahrung gemacht, dass der Name Jesu Wirkmächtigkeit hat. Dass, wer den Namen Jesu anruft, gerettet wird. Und dies bezeugen sie vor dem Hohen Rat, und vor der Öffentlichkeit.

Und das ist das dritte, was wir aus dieser Geschichte lernen können:

III. Das Bekenntnis zum Erlöser

Wer Jesus als Retter erfahren hat, bekennt sich zu ihm auch vor den Menschen. "In keinem andern ist das Heil, auch ist kein andrer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, durch den wir selig werden sollen." sagt Petrus. Auch wenn diese Ausschließlichkeit manchem ein Anstoß ist. Petrus und Johannes haben ihre Wahrheit erfahren. Und ich denke, es ist gut, dass wenn wir diese Wahrheit auch wieder mehr beherzigen und anderen erzählen und ihnen bezeugen, was Gott in Jesus an uns getan hat. Denn dann wird Glaube geweckt und Menschen werden auf den aufmerksam, der Sie von der Last ihres Lebens erlöst und ewiges Heil bringt. Amen.

 

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