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Ihr lieben Geschwister,
die schrecklichen Terroranschläge diese Woche in Amerika lassen niemanden kalt. Und es bewahrheitet sich einmal mehr eine Erfahrung, die
schon viele z.B. nach dem 2. Weltkrieg gemacht haben: Wenn der Mensch in Not ist, wird er auf einmal religiös. Dann besinnen sich die Menschen auf einmal auf Gott.
(Titelblatt der BILD-Zeitung vom Mittwoch hochzeigen mit der Überschrift: Großer Gott, steh uns bei!) Interessanterweise scheinen die Gefühle doch sehr ambivalent, sehr gegensätzlich zu sein. Schon wenige Tage
später titelte die BILD-Zeitung neben einem Foto eines der wahrscheinlichen Attentäter in etwa: Wir wünschen Dir die ewige Hölle.
Himmel und Hölle, Hoffnung und Wut, Friedenssehnsucht und Zorn liegen hier ganz nah beieinander – nicht nur in den Augen der
Zeitungsmacher. Unser neuer Superintendent Hans-Martin-Niethammer schreibt in einer Begleit-Mail zum Bischofsbrief:
" Die Ereignisse des vergangenen Dienstags lassen uns alle nicht unberührt. An vielen Orten finden Gottesdienste und Gebete statt.
Entsetzung, Erschrecken, Hilflosigkeit, Trauer und Wut: Die Gefühle sind so vielfältig, dass wir sie kaum sortiert bekommen.
Mir ist in diesen Tagen die letzte Bitte des Vaterunsers wichtig geworden. Nie habe ich die Versuchung zur Gegengewalt und zum
Böse-Werden größer empfunden. Umso nötiger aber habe ich die Bitte, für mich persönlich und alle Welt: sondern erlöse uns von dem Bösen."
Jedenfalls: die Ereignisse in Amerika der vergangenen Woche haben Auswirkungen auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Um nur ein
Beispiel zu nennen: Eine Filmfirma in Hollywood hat den Start ihres neuen Films Spiderman verschoben. In dem Film gibt es eine Szene, in dem sich ein Hubschrauber in einem riesigen Spinnennetz verfängt, das zwischen den beiden Türmen des World-Trade-Centers gespannt ist.
Schon 1997 hat der amerikanische Thriller-Autor Tom Clancy in dem Roman Executive Orders, zu deutsch Befehl von oben beschrieben, wie ein Boeing 747 auf dem Capitol landet. Und bereits 1980 hat
das amerikanisch-französische Autorengespann Collins/Lapierre einen Roman geschrieben, in dem eine arabische Terroristenbande eine Wasserstoffbombe nach New York bringt und damit den amerikanischen Präsidenten
erpresst. Sein Titel: Der fünfte Reiter. (Titel hochhalten) Diese Formulierung ist mir in den vergangenen Tagen mehrfach in Kommentaren und anderen Medienbeiträgen begegnet. Offenbar möchten damit manche
ausdrücken, dass diese barbarischen Terrorakte für sie apokalyptisches Ausmaß haben. Der fünfte Reiter geht zurück auf einen Abschnitt aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Dort steht in Kapitel 6, Vers 7 + 8:
Dann brach das Lamm das vierte Siegel auf. Ich hörte, wie die vierte der mächtigen Gestalten sagte: »Komm!« Da erblickte ich ein leichenfarbenes Pferd. Sein Reiter hieß Tod, und die Totenwelt folgte ihm auf
den Fersen. Ein Viertel der Erde wurde in ihre Macht gegeben. Durch das Schwert, durch Hunger, Seuchen und wilde Tiere sollten sie die Menschen töten. Ein fünfter Reiter wird dann im direkten Zusammenhang
nicht mehr genannt. Aber der Begriff soll wohl ausdrücken, dass alles noch viel schlimmer kommt. Jedenfalls haben die Ereignisse in New York, Washington und Pennsylvania für viele endzeitliche Dimensionen. Die
Befürchtung eines 3. Weltkrieges wird offen geäußert. (vgl. BILD-Zeitung "Gibt es Krieg?) Spätestens, seit die NATO am Mittwoch-Abend den Verteidigungsfall ausgerufen hat. Diese verpflichtet die NATO-Partner,
den Amerikanern beizustehen, wenn erwiesen ist, dass dieser Angriff von außerhalb der USA geplant worden ist. Und das würde eben auch Deutschland betreffen, das sich diesem Wunsch wohl kaum entziehen kann und wird.
Menschen der älteren Generation, die den zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben, graut es vor einem Dritten. Vor allem seit man weiß, dass die Menschheit in der Lage ist, sich mehrfach selbst zu zerstören.
Wie gehen wir als Christen mit dieser Situation um? Was gibt es von der Bibel her dazu zu sagen? Dass es ein Ende der Welt gibt,
weiß auch die Bibel. Jesus selbst gibt allen, die an ihn glauben, am Ende seines Wirkens mit auf den Weg: Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis an das Ende der Welt. (Mt 28,20) Aber wann dieses Ende kommt, das verrät er uns nicht. Im Gegenteil: Jesus sagt: Der
Menschensohn wird zu einer Stunde kommen, wenn ihr es nicht erwartet (Mt 24,44). Das allerdings ist eine grundsätzliche Überzeugung der Bibel: Das Ende der Welt kommt, wenn der Sohn Gottes mit Macht und Herrlichkeit wieder auf die Erde kommt. Auch der Apostel Paulus vertritt diese Überzeugung, wenn er in einem Brief schreibt: Ihr
wisst selbst ganz genau, dass der Herr so unvorhersehbar kommt wie ein Dieb in der Nacht. (1. Thess 5,2) Zwar nicht wann, aber wie das geschieht, beschreibt der Seher Johannes in Offenbarung 19 in einer Vision. Und in der Tat kommt in diesem Abschnitt ein weißes Pferd und ein weiterer Reiter vor. Dies ist der wahre fünfte Reiter. Und er ist nicht das personifizierte Böse, sondern das genaue Gegenteil. Dieser Reiter wird dort als das
Wort Gottes bezeichnet. Aus dem Johannesevangelium wissen wir, dass damit Jesus selbst umschrieben wird. Dieser weiße Reiter kommt, um alles Böse zu richten und zu vernichten. Er wird die Gerechtigkeit wieder aufrichten. Das Böse wird nicht das letzte Wort behalten. Menschen, die Böses getan haben, werden sich vor diesem Richter verantworten müssen. Niemand von uns ist da ausgeschlossen. Auch ich nicht. Aber auch nicht die verbrecherischen Attentäter von New York, Washington und Pennsylvania. Nach christlicher Überzeugung gibt es keinen direkten Weg ins Paradies. Es ist ein Trugschluss, zu glauben, dass ein Selbstmordattentat einen zum Märtyrer macht und damit den direkten Weg in den Himmel sichert. Denn das Böse hat keinen Platz im Himmel. Fast am Ende der Bibel in Offenbarung 21, wird beschrieben, wie es dort im Himmel sein wird: »Jetzt
wohnt Gott bei den Menschen! Er wird bei ihnen bleiben, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine
Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei mehr. Was einmal war, ist für immer vorbei.« Dann sagte der, der auf dem Thron saß: »Jetzt mache ich alles neu!« Bis es soweit ist, bis der neue Himmel und die
neue Erde kommt, werden wir noch Einiges zu erleiden haben. Die Bibel ist der Überzeugung, das es eine ganze Reihe von Vorwehen geben wird, bis mit dem Ende der Messias kommt. Möglich, dass Ereignisse wie die dieser
Woche mit zu diesen Vorwehen gehören. Aber das Ende sind sie noch nicht. Es ist auch ziemlich spekulativ, einzelne biblische Bilder und Visionen mit tatsächlichen historischen Ereignissen zu identifizieren. Aber
Experten, die sich viel mit der Heilsgeschichte Gottes befassen, meinen, dass die Einschläge dichter werden. Dass die Hinweise zeitlich enger beieinander liegen. Dass es sich auf's Ende zu beschleunigt. Ich möchte
keine Vermutungen darüber anstellen, was sich in Zukunft abspielt. Entscheidend ist für mich, dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem das Böse nicht mehr triumphiert. An dem es keinen Tod, kein Lied, keine
Schmerzen und keine Tränen mehr geben wird.
Was soll also das Reden über ein näher kommendes Ende der Welt? Über ein Gericht Gottes über die Welt?
Will ich auf einen eventuellen 3. Weltkrieg starren wie das Kaninchen auf die Schlange? Will ich vor Angst im Nichtstun erstarren? Soll Böses mit Bösem beantwortet werden? Die Bibel geht einen anderen Weg.
Sie sieht die Zeit bis dahin als Zeit der Bewährung. Als Zeit Gutes zu tun. Als Zeit mit anderen und mir selbst barmherzig zu sein. Als Zeit Not zu lindern. Jesus selbst beschreibt es in seiner Endzeitrede in
Matthäus 24 als eine Zeit um Hungernden zu essen zu geben, Durstigen zu trinken. Als eine Zeit, Fremde und Obdachlose aufzunehmen. Als eine Zeit, Nackte zu kleiden und Kranke und Gefangene zu besuchen. (Mt 24, 31
ff) Es ist eine Zeit der Bewährung meiner Nächstenliebe und der vertrauensvollen Hinwendung zu Jesus Christus. Es ist eine Zeit, in Verbindung mit Jesus Christus und unter seiner Führung mein Leben zu bestehen. Mein
Konfirmationsspruch aus 0fbb 2, 10 c sagt das Ganz deutlich: Sei getreu bis an den Tod so will ich dir die Krone des Lebens geben. Jesus hat dem Tod die Macht genommen. Mit ihm kann ich den Tod überwinden, ja
ihm fast gelassen entgegen sehen. Denn durch seiner Auferweckung hat er den Tod besiegt. In 1. Kor 15, 20-22 argumentiert der Apostel Paulus genau so: Nun aber ist Christus vom Tod auferweckt worden, und als der
erste Auferweckte gibt er uns die Gewähr, daß auch die übrigen Toten auferweckt werden. Durch einen Menschen kam der Tod. So kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung vom Tod. Alle Menschen gehören zu Adam,
darum müssen sie sterben; aber durch die Verbindung mit Christus wird ihnen das neue Leben geschenkt werden.
Jesu Überwindung des Todes ist ein Stück Himmel auf Erden. Wer sich an diesem Jesus festhält, darf mit ihm in den Himmel kommen. Wer ihm
vertraut, das Böse lässt und Nächstenliebe übt, erlebt schon auf dieser Welt etwas von der neuen Welt Gottes. Auch wenn das Böse die Oberhand zu gewinnen scheint; es wird am Ende von Gott besiegt werden. Das ist
meine Hoffnung, die ich der Bibel entnehme.
In Offb 20 nach der Vision mit den Reitern beschreibt Johannes, dass nach dem Kommen des Messias das 1000-jährige Reich beginnt, in dem
der Teufel keine Macht ausüben darf. Danach wird der Antichrist noch mal für kurze Zeit frei gelassen und es kommt zu einem letzten Kampf gegen Christus und sein Reich. Dabei wird er aber endgültig geschlagen und
dem ewigen Tod überliefert.
Dass das Böse am Ende verliert, das gibt mir Hoffnung. Und "dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein wird die ganze
Welt". In dieser Hoffnung kann ich auch angesichts der Ereignisse dieser Woche beten. Ich lade Euch heute nach längerer Zeit wieder einmal zu einer Gebetsgemeinschaft ein. Bitte lasst Euch ermutigen. Es gibt
genug Anlass zur Fürbitte. Vielleicht können wir uns gegenseitig mit unseren Gebeten ergänzen. Ich schließe dann ab mit dem Vaterunser "Barmherziger Gott,
ich verstehe nicht, wie Menschen so verbohrt sein können, wie sie so böse sein können; dass sie für eine politische Idee und für religiösen Fanatismus tausende Menschenleben opfern.
Diesen Schrecken und dieses Leid im Amerika mit ansehen zu müssen macht mir Angst. Ich komme mit meiner Angst zu dir, weil ich weiß, dass Du die Liebe bist. In der Hingabe deines Sohnes am Kreuz hast Du es
bewiesen. Du willst nicht das Böse. Darum bitte ich Dich, dass Du dem Guten zum Durchbruch verhilfst. Bewahre uns vor einem Dritten Weltkrieg. Gib den verantwortlichen politischen Führern die Weisheit, nun
das auch in Deinem Sinne Richtige zu tun. Und hilf mir selbst, in meiner Umgebung Nächstenliebe zu üben, zu sehen, wo meine Hilfe oder Anteilnahme gebraucht wird. Hilf mir, den Frieden, den ich mir für mich
selbst wünsche auch anderen entgegen zu bringen. Sei Du der Friedensstifter in der ganzen Welt und fange bei mir an. Amen."
Vater unser ...
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