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Zielaussage: Die christliche Botschaft von der Erlösung bedeutet: Gott rettet nicht aufgrund irgendeiner menschlichen Voraussetzung sondern aus freier Gnade und Liebe.
I. Erlösungssehnsucht
Liebe Geschwister,
wenn wir heute in der Öffentlichkeit über Erlösung sprechen, dann ernten wir wahrscheinlich mindestens zweierlei Reaktionen:
Die einen können damit überhaupt nichts anfangen, weil sie sagen: Ich wüsste nicht, wovon ich erlöst werden müsste? Mir geht es gut. Ich bin gesund, In meiner Partnerschaft stimmt es im Wesentlichen.
Beruflich läuft alles o.k. Ich habe niemandem etwas zuleide getan. Warum also brauche ich Erlösung?
Ein bisschen anders wird es, wenn wir uns klarmachen, dass der Begriff Erlösung in enger Verwandschaft zu den Begriffen Befreiung, Rettung, und Heilung steht.
Da fällt den Leuten dann schon eher etwas ein.
Rettung, das hat etwas mit Rettungsaktionen zu tun wie zum Beispiel beim Untergang des russischen U-Boots Kursk, oder dem Seilbahn-Unglück in Kaprun, oder bei Lawinenabgängen in den Alpen. Oder man denkt
an ein Rettungsfahrzeug, das Menschen ins Krankenhaus bringt, wenn ihnen etwas passiert ist.
Heilung, da denken viele Menschen vor allem an Heilungswunder, dass jemand wieder gesund wird an Körper oder Seele.
Und bei Befreiung, da denken wir eher an die Flugzeugbefreiung in Mogadischu oder wenn die Polizei Geiseln aus der Hand eines Bankräubers befreit.
Und doch gibt es bei vielen Zeitgenossen heute auch so etwas wie eine Erlösungssehnsucht. Und das ist die zweite Reaktion:
Nämlich das etwas tiefergehende Fragen danach: Wie komme ich zu einem ganzheitlichen, erfüllten Leben ohne Bedrohung von außen? Wie kann ich aus dem, was mir angst macht, was mich zu erdrücken droht,
errettet werden, erlöst werden.
Und noch tiefergehend dann die Frage: Wer befreit mich von der Vergänglichkeit meines Lebens?. Besteht eine ernst zu nehmende Hoffnung auf eine bessere Zukunft, in der Gerechtigkeit regiert und Liebe geübt
wird?
Auf diese Fragen gibt es unterschiedliche Antworten:
Da gibt es zum einen die Erlösungsreligionen. Eine der bedeutendsten ist der Buddhismus, der die Menschen anleitet zur Selbsterlösung aus dieser Welt alle Anstrengungen zu unternehmen. Oder beim Yoga zum
Beispiel soll sich der Mensch durch Konzentrationsübungen aus eigener Kraft erlösen, vom eigenen Körper absehen, um sich in die geistige Welt zurück zu ziehen.
Zum anderen gibt es Sekten mit Erlösungsangeboten: Entscheidend ist dort ein Verhaltensregelwerk in der Gruppe und der Gehorsam gegenüber einer Identifikationsfigur, einem Guru oder einer Institution, die
vorgibt, was man zu glauben hat.
Und nicht zuletzt gibt es auch ganz weltliche Erlösungsangebote auf dem Großmarkt der “Wahrheiten” Da konkurrieren die verschiedensten Weltanschauung und Philosophien, die mit ihren Rezepten das Paradies
auf Erden oder einen “neuen” Menschen herbeiführen wollen. Auch Politiker verstehen sich manchmal als “Heiland” oder als “Retter der Menschheit” und versprechen eine bessere Welt, in der sich herrlich leben lässt.
Angesichts solcher vielfältigen Erlösungsangebote entsteht ein große Verwirrung: Welchem kann man denn wirklich vertrauen?
Die Geschichte von einem Chinesen der erzählt, warum er Christ wurde, zeigt uns eine Richtung an:
( Kühner, Eine gute Minute, S. 205, 26.9.)
Da lohnt sich also, einmal zu sehen, was denn
II. Erlösung in der Bibel
bedeutet:
Im Alten Testament ist Erlösung zunächst ein Rechtsvorgang. Da konnte ein in Leibeigenschaft Geratener freigekauft werden. Das war vor allem Sache des nächststehenden Verwandten, des Lösers (3. Mose 25,
26).
Am ehesten kann man das heute vergleichen mit dem Freikauf von Geiseln. Vor kurzem stand z.B. im Württembergischen Gemeindeblatt, Ihrer landeskirchlichen Sonntagszeitung, dieses Interview (hochzeigen) mit
Werner Wallert. Sie erinnern sich sicher, dass er mit seiner Familie auf der malaysischen Insel Jolo als Geisel in Hand malaysischer Moslem-Rebellen war und von der deutschen Bundesregierung freigekauft wurde.
Eine andere Bedeutung im Altes Testament hat eher eine politische Dimension, nämlich die, dass Israel von Gott aus der Hand der Feinde erlöst wird. So wird die Freilassung aus
Ägypten als Erlösungstat Gottes angesehen.
Aber Gott konnte auch den einzelnen erlösen, den Frommen, den Gefangenen, oder Hiob aus Todesnot. Darin wird schon der enge Zusammenhang von Erlösung mit der Gnade und Barmherzigkeit Gottes deutlich.
Erst später, nämlich im zweiten Jesajabuch bildet sich die Hoffnung auf einen Erlöser heraus. Das sogenannte Gottesknechtslied aus Jesaja 53, das wir vorhin als biblische Lesung hörten, ist das beste
Beispiel dafür. Bei Jesaja im Exil in Babylon wird die eine an der Zukunft orientierte neue, durchgreifende Erlösung Israels und der Völker verkündigt.
Dabei wird immer betont, dass Gott in seiner unergründlichen Liebe die Menschen umsonst, (also ohne Lösegeld) befreit.
Denn so spricht der HERR: Ihr seid umsonst verkauft, ihr sollt auch ohne Geld ausgelöst werden. (Jes 52, 3)
Im Neuen Testament geht es vor allem um die Erlösung von der Sünde. Sünde wird dort verstanden als ein eigenmächtiges Absondern des Menschen von Gott, aus dem Schuldverstrickung entsteht. Die Menschen
haben sich von Gott getrennt. Und weil sie nicht mehr in enger Verbindung mit dem Wort Gottes stehen, weil sie sich nicht mehr daran halten, darum entsteht Schuld. Und zwar Schuld in einem Maße, dass sie sich nicht
mehr selbst daraus befreien können. Die Folge ist eine Orientierungslosigkeit, bei der kaum noch irgendwelche Werte gelten. Die können wir ja heute tatsächlich in unserer Gesellschaft beobachten. Nehmen wir als
Beispiel nur mal diese unsägliche Plakataktion der CDU, wo der Bundeskanzler als Verbrecher denunziert wurde. Da weiß selbst eine sich als christlich bezeichnenden Partei nicht mehr, dass üble Nachrede kein Mittel
politischer Kultur geschweige denn christlichen Verhaltens ist. Das grenzt an Rufmord.
III. Wie geschieht Erlösung?
Dort wo Menschen nicht mehr auf Gott und sein Wort hören, ließ Gott sein Wort Mensch werden. Dort wo Menschen die Beziehung zu Gott aufgekündigt haben, sucht er diese Beziehung von sich aus wieder
herzustellen, indem er seinen Sohn auf die Welt schickt. Dort wo Menschen orientierungslos geworden sind, bietet er ihnen Orientierung durch die Worte Jesu an. Dort wo Menschen sich so sehr in Schuld verstrickt
haben, dass nur noch der Tod eine Erlösung bringen könnte, lässt er sein Sohn Jesus diese Schuld im Tod am Kreuz auf sich nehmen.
Jesus gab sein Leben als Lösegeld für viele heißt es in Markus 10,45.
Erlösung ist also nicht etwas, was wir Menschen selbst tun könnten. Sondern es ist ganz und gar Heilstat Gottes. Gott tut in Jesu Leben, Sterben und Auferstehen alles, um uns zu retten.
Das ist der Unterschied zu allen anderen Erlösungsangeboten. Und daraufhin sind auch alle anderen zu prüfen:
Bei den anderen muss ich immer selber etwas tun, um mich zu erlösen. Ich habe immer einen gewissen Eigenanteil am Erlösungsgeschehen.
Bei Jesus hat er schon alles für mich getan. “Er löset mich aus Schuld und Not, so komme ich, mein Herr und Gott”. heißt es in dem Lied “So wie ich bin komm ich zu dir". Ich brauche also nur noch
zu kommen und dieses Angebot in Jesus anzunehmen. Ich brauche nur noch anfangen, auf Jesus zu vertrauen und sein Heilsgeschenk anzunehmen.
Doch gerade diesen Geschenk-Charakter des christlichen Glaubens wollen viele Menschen heute nicht wahrhaben. Man will nicht “umsonst empfangen”, sondern wenigstens “etwas” selber dazu tun. Doch gerade
diese Grundhaltung hält uns davon ab, ganz zu Gott zu kommen. Dass ich immer meine, ich müsste doch irgendwie selbst ein Quentchen zu meinem Heil beitragen. Aber wenn das stimmen würde, dann gäbe es für (geistig)
behinderte Menschen, für Alzheimer-Kranke oder an Alters-Demenz Leidende kein Heil. Was ist denn mit Menschen, die nichts mehr selber leisten können? Die nichts zu ihrem Heil beitragen können. Weil sie nicht selber
denken können, nicht für sich sorgen können, geschweige denn anderen helfen können, die keine Nächstenliebe üben können. Ich halte jedes Erlösungsangebot, auch wenn es sich Religion nennt, für unbarmherzig, das
Behinderte, Alte, Kranke und Schwache außen vor lässt. Ich habe immer noch ein Wort von unserem Systematik-Professor Eberhard Jüngel im Ohr, der sagt. Die christliche Erlösung ist vergeblich, wenn sie nicht auch für
geistig Behinderte gilt.
Und machen wir uns nichts vor: Der Gefahr, dass mir auch so etwas passieren kann, bin ich auch ausgesetzt. Ich kann morgen unverschuldet von einem Auto angefahren werden, mit dem Kopf auf’s Pflaster
schlagen und ins Koma fallen. Und was ist dann mit meiner Leistungsfähigkeit? Nichts mehr.
Nein, der Glaube an Jesus Christus, das Vertrauen auf Jesus, das uns aus der Verstrickung von Schuld herauslöst, ist ganz und gar Geschenk. Und dieses Geschenk gibt uns Hoffnung über den Tod hinaus, denn
Jesus ist auch nicht im Tod geblieben. Und jeder, der mit ihm verbunden ist, darf auch diese Hoffnung haben. Er darf mit ihm in seiner Herrlichkeit leben, wo Gerechtigkeit, Liebe und Friede herrscht. Im Vertrauen
auf das Wort Gottes in Jesus Christus bekomme ich wieder Orientierung für mein Leben. Wenn ich mich an ihn halte, müssen mich die Bedrohungen, die Ängste meines Lebens nicht mehr erdrücken, denn er kann mich daraus
befreien.
In dem Interview mit Werner Wallert, dessen Leben ja nun wirklich bedroht war, sagt er an einer Stelle, dass er von einer seltsamen Gelassenheit war. Eine andere Mitgeisel hätte zu ihm gesagt, er sei
stabil gewesen wie ein Fels. Und diese Kraft kam für ihn aus dem Gebet. Seine Kirchengemeinde zu Hause in Göttingen hatte während der Geiselhaft tägliche Fürbittandachten organisiert. Die sieben Christen unter den
Gefangenen hatten einen gemeinsamen Gebetskreis dort und sie haben persönlich, allein gebetet, d.h. sie waren ständig online mit Gott. Darüber hinaus bekamen sie über tausend E-mails ins Lager geschickt, die ihnen
Mut machen sollten.
Werner Wallert hat manchmal zu seinen Mitchristen gesagt, die schnell in Panik verfielen: “Ihr seid doch Christen, jetzt seid doch mal ein bisschen zuversichtlicher!”
Das erinnert mich an das Wort von Nitzsche, der gesagt hat: Erlöster müssten mir die Christen aussehen.
IV. Die Konsequenzen für uns als Christen
Ich finde zwei Dinge sind entscheidend:
1. Bei uns Christen soll ich erfahren können, dass Jesus der einzige ernst zu nehmende Erlöser aus Schuld und Not ist. Ich soll hören können, dass Jesus aus Angst und Bedrückung befreit. Ich soll
wahrnehmen können, dass der Glaube an Jesus ganz und gar Geschenk ist, und dass ich ihn nur anzunehmen brauche.
2. Ich soll diese Dinge nicht nur hören, sondern auch erleben dürfen. Ich soll erfahren dürfen, dass Christen für mich beten. Ich soll spüren, dass mir Christen helfen, mit meinen Ängsten und Bedrohungen
fertig zu werden. Ich soll erleben dürfen, dass Menschen “Miteinander – füreiander” da sind. Und ich soll erfahren können, dass hier barmherzig miteinander umgegangen wird. Dass niemand über den anderen lästert,
dass einander zugehört und die jeweilige Lebenssituation wahrgenommen wird. Dass wir Christen versuchen, einander zu verstehen. Dass über niemanden gelästert oder hintenrum geschwätzt wird. Und dass wir ganz
praktisch einander helfen.
Erlöst sollen die Christen in der Gemeinde Jesu nicht nur aussehen, sondern auch sein.
Das erbitte ich von Gott – auch für Ihre Gemeinde hier in der Christuskirche.
Amen.
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