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Predigt über: Jesaja 43, 1-7
Thema: Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein!
von Pastor Joachim Schumann
gehalten in Sindelfingen am: 25.08.2002
Bibeltext
1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! 2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, daß dich die Ströme nicht ersäufen sollen; und
wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen. 3 Denn ich bin der HERR, dein Gott, der Heilige Israels, dein Heiland. Ich habe Ägypten für dich als Lösegeld gegeben,
Kusch und Seba an deiner Statt, 4 weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe. Ich gebe Menschen an deiner Statt und Völker für dein Leben.
5 So fürchte dich nun nicht, denn ich bin bei dir. Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, 6 ich
will sagen zum Norden: Gib her! und zum Süden: Halte nicht zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, 7 alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner Ehre geschaffen
und zubereitet und gemacht habe.
Zielaussage:
Wer mit Gott eine persönliche Verbindung hat, darf damit rechnen, dass er ihn auch in größten Nöten begleitet und rettet.
Liebe Geschwister,
Wir haben diese Woche einen Brief aus unserer Bischofskanzlei bekommen. Er steht als Artikel fast komplett in der unterwegs- Ausgabe von heute abgedruckt:
EmK-Gemeinden in Ostdeutschland von Hochwasser betroffen
Spenden
(Brief im Original-Wortlaut bekommt ihr nachher beim Opfer)
Das bewegt auch uns.
Ein Bibelwort, das dazu passt:
Lesung Jesaja 43, 1-7
V 2 Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen ...
Das ist ein Abschnitt aus dem Trostbuch des Jesaja.
Er spielt an auf die Durchquerung des Schilfmeers nach der Befreiung aus Ägypten.
Witz: Junger Mann auf einer Parkbank: Liest in der Bibel: Halleluja! Preist den Herrn! ... Dass Gott die Ägypter in knietiefem
Wasser hat ertrinken lassen.
wenn du ins Feuer gehst, sollst du nicht brennen, und die Flamme soll dich nicht versengen
Das spielt an auf die Geschichte mit Daniel und seinen Freunden im Feuerofen des Nebukadnezar. (Daniel 3, 25-27)
Mich hat das mit dem Wasser in unserer derzeitigen Situation mehr angesprochen. Es könnte ein Trostwort sein für unsere Geschwister in
Ostdeutschland.
Jesaja hat das übertragen gemeint. Es ist ein Trostwort für die Exilierten in Babylon. In den Auslegungen habe ich nichts darüber gelesen, dass das Wort mit dem Wasser konkret etwas mit Überschwemmungen
des Euphrat zu tun gehabt hätte, an dem Babel liegt.
Sondern: Es ist eine Motivation zur Rückkehr nach Israel, in ihr Heimatland.
Die damalige Situation:
Der Perserkönig Kyros hatte seinen Siegeszug schon angetreten, aber Baylon noch nicht erobert. Das Perfekt Jes 43,1 u.a. deutet es an: ich habe dich erlöst
Nach der Befreiung war eine Rückkehr möglich. Aber:
Die 2. oder 3. Generation – hatte sich eingerichtet: Familien, Häuser, Gärten Handel, Synagogen (Jer 29, 4-7)
Ihre Rückkehr nach Israel ist eine Rückkehr in eine ungewisse Zukunft. Jerusalem ist zerstört, der Tempel geschliffen, andere Machthaber sind da.
Es dürfte sie dort einiges erwarten: Mühe, Krankheit, Neid, Tod
So war es auch. Vgl. Buch Esra und Nehemia.
Fürchte dich nicht!
Das ist ein Motivationsruf für eine ungewisse Zukunft.
Wenn du durch Wasser gehst, will ich bei dir sein, dass dich die Ströme nicht ersäufen sollen ...
Es kann sein, dass ihnen das Wasser bis zum Hals stehen wird.
Wenn Jesaja dieses Trostwort Fürchte dich nicht ... Wenn du durch Wasser
gehst, will ich bei dir sein im übertragenen Sinn an das Volk Gottes richtet, dann dürfen wir heute als neutestamentlicher Teil dieses Volkes
Gottes dieses Trostwort auch übertragen hören.
Es gehen nämlich nicht nur unsere ostdeutschen Geschwister durch's Wasser. Sondern auch in unserer und um unsere Gemeinde gibt es Menschen, denen steht das Wasser bis zum Hals.
Und vielleicht gab es auch schon in Eurem Leben Situationen, in denen euch das Wasser bis zum Hals stand. Oder es werden Situationen kommen, wo das so ist. Dann ist es gut, sich daran zu erinnern, dass
Gott da ja mal eine Zusage gegeben hat.
Dieses Wasser bis zum Hals kann
ein wirtschaftlicher Engpass sein, eine Insolvenz z.B. von denen es ja heute genug gibt.
eine Krankheitsnot sein – eine Tumor-Erkrankung / Krebs
eine Beziehungskrise sein, dass Ehepartner sich trennen oder auseinander leben
eine berufliche Krise sein – z.B. wenn jemand seine Stelle verliert oder den Traum-Aufstiegs-job in der Firma nicht bekommt.
In solche Situationen hinein gibt Gott seine Trostzusage
Fürchte dich nicht!
Zweimal – wie zur Bestätigung (V 1 und V 4)
Kein pauschales Fürchte dich nicht! – Es ist nicht für alle Lebenssituationen gedacht, gilt nicht für jeden Menschen an jedem Ort in jeder Situation.
Es gibt eine Voraussetzung:
Vgl V 1 Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel:
Hier spricht der Schöpfergott, der Allmächtige, der alles kann und alles vermag. Er kann Dinge ändern, neu schaffen. ER kann
alles zum Guten bewegen. Gott kann! Auch unsere Situationen, bei denen uns das Wasser bis zum Hals steht, kann er ganz neu machen.
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Für das gibt es 2 Begründungen
1. ich habe dich erlöst (Beweis: Befreiung aus Ägypten; für Christen: Jesu, der Erlöser aus Schuldverstrickung und Tod)
2. ich habe dich bei deinem Namen gerufen
Bei beiden geht die Initiative von Gott aus. Er erlöst, er nennt beim Namen.
Also: Gott kann retten. Er hat es bewiesen in der Geschichte – warum sollte er es nicht heute auch bei uns können? Bei dir, dem das Wasser bis zum Hals steht?
V 4 wird die Begründung für die Erlösung und Befreiung genannt:
weil du in meinen Augen so wertgeachtet und auch herrlich bist und weil ich dich liebhabe
H. Thielicke: Gott liebt uns nicht weil wir so wertvoll sind, sondern wir sind so wertvoll weil Gott uns liebt.
2. Gott hat dich beim Namen gerufen
Was bedeutet das?
Wer beim Namen gerufen wird
ist dem Rufer persönlich bekannt
kann direkt angesprochen werden
kann zitiert werden.
hat eine Identität, ist wer
Wenn Eltern ihrem Kind einen Namen geben, dann ist das auch ein Liebesbeweis. Ich bin keine Nummer sondern Joachim Schumann.
Das Fürchte dich nicht! gilt Menschen, die Gott persönlich bekannt sind, die er lieb hat und die ihm viel wert sind. ZU denen er eine persönliche Beziehung hat. Die er mit Namen kennt und die ihn kennen:
Jesus: Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind (Lukas 10, 20)
Weißt du das?
Ist dein Name im Himmel angeschrieben? Im Buch des Lebens?
Dann gilt dir das: Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir!
Gott geht nämlich nicht überall mit hin. Er lässt uns auch manchmal wohin gehen, wo er nicht hin will und nicht ist. Er lässt uns gehen, aber er geht da nicht mit hin.
Deswegen habe ich auch Mühe mit Liedtexte wie
Wir haben Gottes Spuren festgestellt
Da heißt es im Refrain
Gott wird auch unsre Wege mit uns gehn,
uns durch das Leben tragen.
Nein! So ist es eben nicht, Gott wird nicht alle unsre Wege mit uns gehen. Sondern er erwartet von uns, das wir seinen Wegen folgen – und
dann wird er bei uns sein. Wir dürfen hier nicht Ursache und Wirkung verwechseln.
Wenn wir uns des Fürchte dich nicht gewiss sein wollen, dann müssen wir mit Gott eine persönliche Beziehung haben. Dann müssen wir ihn mit Namen ansprechen und er uns. Dann müssen wir im Gebet und durch sein Wort mit ihm im Gespräch sein.
Wenn du durch Wasser gehst, wenn dir das Wasser bis zum Hals steht, dann versuch eine Verbindung zu Gott zu bekommen. Die Telefonnummer heißt 5015, Psalm 50 Vers 15. Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.
Das gilt – bis heute!
Was will Gott damit erreichen?
V 5+ 6 geben die Antwort::
Ich will vom Osten deine Kinder bringen und dich vom Westen her sammeln, 6 ich will sagen zum Norden: Gib her! und zum Süden: Halte nicht
zurück! Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde,
Gottes Erretten ist eine Sammlungs-Bewegung.
Gott will auseinander gebrochene / zerstörte Gemeinschaft wieder herstellen.
Die vorhin genannten persönlichen Krisen in finanzieller Hinsicht, in Gesundheits-Dingen, in Beziehungs-Problemen, in beruflicher Hinsicht
zerstören allesamt Gemeinschaft. Wenn Gott rettet, dann will er Gemeinschaft wieder herstellen. Dann will er mir die Verunsicherung nehmen und ein neues Gefühl von Zuhause sein vermitteln. Der Schöpfer der Welt
und meines Lebens kann das.
Dazu zum Schluss eine tatsächlich passierte Geschichte
Ein früherer Mitarbeiter Friedrich von Bodelschwinghs erzählt folgendes Erlebnis: Der chirurgische Chefarzt von Bethel mußte Bodelschwingh
in einem Fall bedauernd mitteilen, daß ein Patient nicht mehr zu retten sei. Da platzte Bodelschwingh mit der Frage an den Professor heraus: "Haben Sie schon gebetet um seine Rettung?"
Der Professor und sein Assistent lächelten diskret. Bodelschwingh übersah das und sagte nur: "Also nein! Gut, dann will ich jetzt einmal die Sache mit Gott bereden!" Wohl eine Stunde lang
lag er in seinem Zimmer auf den Knien und betete. Danach ging er wieder in das Krankenzimmer jenes Patienten. Hier empfing ihn die pflegende Schwester: "Herr Pastor, seit einer halben Stunde geht es dem
Kranken plötzlich besser!"
Nach einigen Wochen war der Kranke genesen, und der Professor ging zu Bodelschwingh und sagte: "Ich werde nicht wieder lächeln, wenn Sie zum Beten auffordern!"
aus: Heinz Schäfer (Hg.), Hört ein Gleichnis, ABC-team, 1977 bei Christliches Verlagshaus GmbH, Stuttgart, S. 68
Wenn Gott Menschen rettet, dann geschieht das zu seiner Ehre. So wie hier der Chefarzt Gott zu ehren gelernt hat.
Wenn Gott wieder neu Gemeinschaft stiftet, dann geschieht das zu seiner Ehre.
Und so wie es in V 6+7 heißt:
Bring her meine Söhne von ferne und meine Töchter vom Ende der Erde, alle, die mit meinem Namen genannt sind, die ich zu meiner
Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe
Es ehrt Gott nämlich ganz und gar nicht, wenn seinen Menschen das Wasser bis zum Hals steht.
Es ist darum für Gott eine Ehrensache, seine Menschenkinder zu retten.
Bei dieser Ehre dürfen wir ihn packen und ihn um seine Hilfe bitten.
Und dann gilt uns auch mit Gewissheit:
Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Amen
Lied mit git von Joachim Schumann anhängen:
Du darfst glauben
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