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Bibeltext
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet. (Jes 66,13)
Zielaussage:
Wer von Gott getröstet ist, kann selber andere trösten und vertieft damit den Trost in sich.
I. Wie trösten Mütter?
Ihr Lieben,
wir saßen vergangene Woche in den Bibelstunden zusammen. Und da haben wir festgestellt, dass ich der einzige von uns bin, der überhaupt noch Eltern hat. Ich habe zwar keine Mutter mehr, aber ich habe noch eine
Großmutter, meine Omi und ich habe noch eine Schwiegermutter. Ich frage mich manchmal, wie das ist, wenn ich einmal keine Generation mehr über mir haben werde? Wenn ich niemanden mehr habe, den ich fragen kann: Wie
war das damals? Wenn ich keinen altersweisen Ratschlag mehr von einer absoluten Vertrauensperson aus meiner Famalie bekommen kann. Ich meine, viele von uns hier heute morgen haben diese Erfahrung schon gemacht. Hat
man dann das Gefühl: Jetzt muss ich immer selber stark sein? Jetzt muss ich mich irgendwie selbst durchs Leben kämpfen? Jetzt habe ich keine Brust mehr, an der ich mich ausweinen kann? Wir Männer haben es ja
vielleicht nicht so mit dem Weinen. Aber ich kann mich erinnern, als wir bei der Trauerfeier für meine Mutter in der Kirche saßen, da überkam mich eine tiefe Verlassenheitsangst. Und ich musste so weinen, wie mich
meine Frau wohl noch nie hatte weinen sehen. Sie könnte mir nur noch tröstend ihre Hand auf meinen Rücken legen.
Es muss ja nicht gleich ein Trauerfall in der Familie sein. Aber es gibt doch auch diese Tage, an denen ich im Stillen denke: Es wäre schön, wenn mich mal jemand trösten würde. Das sind zum Beispiel diese
Tage, an denen ich denke. Heute funktioniert aber auch gar nichts!
Bei anderen mögen das andere Anlässe sein: Krankheit, Depression, Überarbeitung, Belastungen in Familie und Beruf.
Die Frage ist: Was ist dann echter Trost? Wie können wir getröstet werden? Bzw. wenn ich dabei bin und das miterlebe: Wie kann ich wahrhaft trösten?
Ich habe Euch dazu eine kleine Geschichte von Peter Spangenberg mitgebracht. Sie heißt "Trost oder Vertröstung":Echter Trost sind also keine wohlmeinenden Worte, die alle irgendwie den Grundtenor
haben: "Die Zeit heilt alle Wunden." Sondern echter Trost erkennt die Not und packt auch dort mit an, wo geholfen werden muss. Aber Trost ist noch mehr als bloße praktische Unterstützung.
Jesaja sagt im Auftrag Gottes: Ich will Euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Ich habe mir in dem Zusammenhang überlegt: Wie bin ich denn von meiner Mutter getröstet worden?
Mehrere Dinge sind mir dazu eingefallen. Zunächst mal konnte ich einfach erzählen wie's mir ums Herz war. Sie hat mich nicht unterbrochen, einfach nur zugehört, oder allenfalls Verstehensfragen gestellt.
Sie hat mir nicht gleich irgendwelche Ratschläge erteilt, sondern hat mich in den Arm genommen und da durfte ich bleiben, bis es mir besser war. Ich durfte mich aus-weinen – im wahrsten Sinne des Wortes, bis der
Schmerz vorbei war. Bei mir wuchs das Gefühl: Hier werde ich verstanden, hier bin ich bedingungslos geliebt. Hier darf ich sein!
Dieses Bild habe habe ich vor Augen wenn Gott sagt: Ich will Euch trösten wie einen seine Mutter tröstet
II. Wie tröstet (also) Gott?
Die zeitliche Situation, in der Jesaja dieses Wort weitergibt, sind die ersten zwei Jahrzehnte nach der Rückkehr aus dem Exil. Nehemia war damit beschäftigt, Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Und
eines der Hauptprobleme war, dass es Menschen gab, die in Israel geblieben waren und andere die aus dem Exil zurückkehrten. Die Rückkehrer hatten eine neue Hinwendung zu Gott erlebt. In Babylon, fern vom Tempel,
waren die ersten Synagogen entstanden. Das heißt, es ist im Volk eine neue Hinwendung zum Wort Gottes entstanden. Und die Daheim-Gebliebenen mussten damit leben, dass eine Vermischung mit der kanaanäischen
Urbevölkerung stattfand. Und das bedeutete auch Kontakt und Vermischung mit heidnischen Religionen. Die Zurückgebliebenen waren durchaus nicht erfreut über die Rückkehrer. Und die, die das Land besetzt hielten auch
nicht. Die Jerusalem-Erbauer mussten in der einen Hand die Maurerkelle halten und in der anderen das Schwert, weil sie sich der Missgünstigen erwehren mussten. Sie mussten Hohn und Spott, auch über ihren Gott,
ertragen. Und in diese Situation hinein sagt Gott durch Jesaja:
Ich will Euch trösten wie einen seine Mutter tröstet.
Wie macht Gott das?
Es gibt in Nehemia 8 eine eindrückliche Schilderung, wie das Volk nach diesen ganzen Strapazen zum ersten Mal wieder einmal aus dem Gesetz des Mose hören will. Und der Priester Esra liest einen ganzen Tag
lang vor. Die Leviten helfen, es auszulegen, damit das Volk es besser versteht. Und als sie es verstanden haben, fangen sie an zu weinen, weil ihnen klar wird, was sie alles falsch gemacht haben – auch Gott
gegenüber. Aber Esra, Nehemia und die Leviten versuchen das Volk zu trösten indem sie sagen: Geht hin und eßt fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet
haben; denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke. (Nehemia 8,10)
Gott tröstet also zum einen durch sein Wort
und zwar an einem heiligen Tag. Heilig ist etwas, das zu Gott gehört. Gott sagt also durch sein Wort seinem Volk. Ihr gehört wieder zu mir. Ihr dürft bei mir sein. Ich bin Euch gut. Ich habe Euch lieb.
An mehreren Stellen der Bibeldrücken Menschen diese Erfahrung auch so aus: Das ist mein Trost in meinem Elend, daß dein Wort mich erquickt. Betet der Psalmist in Pastor Schumann 119,50. Oder Jer 15,16 Dein
Wort ward meine Speise, sooft ich's empfing, und dein Wort ist meines Herzens Freude und Trost; denn ich bin ja nach deinem Namen genannt, HERR, Gott Zebaoth.
Das zweite, womit Gott tröstet ist der Beistand in der Not und die Hilfe aus der Not. In Psalm 86,17 bittet der Beter Tu ein Zeichen an mir, daß du's gut mit mir meinst, daß es sehen, die
mich hassen, und sich schämen, weil du mir beistehst, HERR, und mich tröstest.
Gottes Schutz wird in dem bekanntesten Trostpsalm 23 genannt: Dein Stecken und Stab trösten mich.
Manchmal tröstet Gott auch durch die Gewissheit, dass sein Gericht kommt, dass alle Ungerechtigkeit nicht bestehen bleiben wird. Das wird z.B. deutlich in Jes 61,1f. Der Geist Gottes des HERRN
ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, daß sie frei
und ledig sein sollen.
Genau diesen Vers nimmt ja Jesus auf, als er im Lukasevangelium, gleich zu Beginn seiner Wirksamkeit den Zweck seines Gesandtseins erklärt.
Und das Wichtigste: Gott tröstet uns durch seine Vergebung. In Jes 38,17 wird das sehr gut deutlich: Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, daß
sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.
Jesu Sterben am Kreuz ist der Garant dafür, dass Gottes Vergebung ernst gemeint ist. Hier dürfen wir alle unsere Sünden und Verfehlungen ablegen. Hier hat er seine Liebe zu uns Menschen so sehr gezeigt,
dass er dafür seinen einzigen Sohn gab. Dass Jesus für uns gestorben ist, ist das Zeichen dafür, dass Gott uns liebt. Und wahrhaft trösten kann nur, wer liebt.
Und wie werden wir schließlich heute getröstet? Jesus hat uns versprochen: Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles
erinnern, was ich euch gesagt habe. (Joh 14,26) Gottes Geist tröstet uns also, indem er uns an das erinnert, was Jesus uns gesagt hat. Dieser Gottesdienst, diese Predigt trägt auch dazu bei. Deshalb auch die
relativ vielen Bibelstellen heute. Sie sind eine Erinnerung an Gottes Trost.
Es hat mal jemand gesagt: Der Trost der Menschen lebt vom Vergessen. Der Trost Gottes lebt vom Erinnern
III. Wie wir trösten können
Wer so von Gott getröstet ist, der kann auch andere trösten.
In 2. Kor 1,3+4 schreibt Paulus:
Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Trübsal, damit wir auch trösten können, die in
allerlei Trübsal sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.
Und Martin Buber hat gedichtet:
Wer Halt gewährt, verstärkt in sich den Halt.
Wer Trost spendet, vertieft in sich den Trost.
Wer Heil wirkt, dem offenbart sich das Heil.
Wenn wir trösten, gewinnen wir also auch selber dabei.
Wie also können wir heute ganz praktisch trösten?
1. Durch Zuwendung
(Hautkontakt, Händedruck, Hand auf der Schulter, Blickkontakt)
2. Durch Zuspruch
In dem wir nicht billige Worte verwenden, auch nicht gleich sprechen sondern erst mal zuhören, manchmal auch einfach mitschweigen. Aber das rechte Wort zur rechten Zeit finden ,das ist wichtig. Dazu gehört
natürlich auch, dass wir uns in der Bibel auskennen. Es ist also nicht nur der persönliche Zuspruch, das freundliche Wort, sondern auch die biblische Verheißung gemeint. So was wie unsere Predigtvers.
Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet
3. Durch Zukunft
Den Hinweis auf den kommenden Herrn der allem Leid ein Ende setzen wird. So wie es in der Offenbarung 21,4f heißt:
und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe,
ich mache alles neu!
Ich wünsche uns allen und bete dafür, dass Gott uns tröstet, wenn wir es brauchen und dass er uns in die Lage verstetz auch andere zu trösten. Amen.
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