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Bibeltext

Ein Gebet in höchster Not

1 Der HERR aber ließ einen großen Fisch kommen, der verschlang Jona. Drei Tage und drei Nächte lang war Jona im Bauch des Fisches.

2 Dort betete er zum HERRN, seinem Gott:

3 »In meiner Not rief ich zu dir, HERR, und du hast mir geantwortet.

Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir,

und du hast meinen Hilfeschrei vernommen.

4 Du hattest mich mitten ins Meer geworfen,

die Fluten umgaben mich; alle deine Wellen und Wogen

schlugen über mir zusammen.

5 Ich dachte schon, du hättest mich aus deiner Nähe verstoßen,

deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen.

6 Das Wasser ging mir bis an die Kehle.

Ich versank im abgrundtiefen Meer,

Schlingpflanzen wanden sich mir um den Kopf.

7 Ich sank hinunter bis zu den Fundamenten der Berge,

und hinter mir schlossen sich die Riegel der Totenwelt.

Aber du, HERR, mein Gott, hast mich lebendig aus der Grube gezogen.

8 Als mir die Sinne schwanden, dachte ich an dich,

und mein Gebet drang zu dir in deinen heiligen Tempel.

9 Wer sich auf nichtige Götzen verläßt, bricht dir die Treue.

10 Ich aber will dir danken und dir die Opfer darbringen,

die ich dir versprochen habe; denn du, HERR, bist mein Retter.«

11 Da befahl der HERR dem Fisch, ans Ufer zu schwimmen

und Jona wieder auszuspucken.

 

Ihr Lieben,

was hat eigentlich Jona mit Karfreitag zu tun? Die Frage habe sich vielleicht einige gestellt, als sie das Thema für heute gelesen haben.

Zwei Antworten finden wir in der Bibel selbst.

Zum einen spricht Jesus einmal vom Zeichen des Jona. (Lukas 11, 29ff). Dabei vergleicht er sich selbst mit Jona.

Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein. so sagt er in V. 30

Jesus meint damit einen doppelten Vergleich:

Einmal als wird er – wie Jona wunderbar - vom Tod errettet.

Und zum anderen bringt er – wie Jona - das Gericht. Jona verkündetete der Stadt Ninive das Gericht nachdem er aus dem Bauch des Fisches kam

Und so wird Jesus als der vom Tod Auferstandene wiederkommen zum Gericht über die, die ihm nicht geglaubt haben. Auch in Mt 12,30-40 werden seine Grabesruhe und Auferweckung als Auftakt der Ereignisse geschildert, die für sie das Gericht bedeuten

Die zweite Antwort finden wir in Matthäus 12,40:

So wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Seeungeheuers war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte in der Tiefe der Erde verborgen sein.

Die Parallele liegt in der Ähnlichkeit der Erfahrungen, die Jona und Jesus machen.

Und so wundert es nicht, wenn das Kapitel Jona 2 ein klassischer Perikopentext für den Karsamstag ist.

Der Karsamstag, ist der Tag, an dem wir uns daran erinnern, dass Jesus hinabgestiegen in das Reich des Todes ist, wie wir es im Glaubensbekenntnis ausdrücken. So wie Jona drei Tage im Bauch des Fisches verbrachte.

Der Unterscheid zwsichen beiden.

Jona leidet in Folge seines Ungehorsams Gott gegenüber.

Jesus leidet in Folge seines Gehorsams Gott gegenüber.

Er erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz,. heißt es in Phil 2,8

Darum gehen die beiden auch unterschiedlich mit Ihrer Erfahrung von Leid und Dunkelheit um.

Und beide Erfahrungen können Angebote oder Vorschläge sein, wie wir mit unserem Leid umgehen können.

Denn eines ist klar. In seiner Leidensgeschichte, seiner Passion hat Jesus die Erfahrung aller Leidenden geteilt.

Und in seinem Sterben ist er den Tod aller Sterbenden mitgestorben.

Weil aber Jesus nicht im Tod geblieben ist, weil Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, darum dürfen wir über unseren eigenen Tod hinaus Hoffnung auf ein neues befreites Leben haben. In der neuen Welt Gottes dürfen wir aufatmen und frei sein.

Und wer wollte das nicht, der im Leid steckt.

 

Sehen wir uns also einmal an, wie Jesus und Jona mit dem Leid und den Dunkelheitserfahrungen umgehen.

Die 1. Beobachtung: Jona betet zu Gott.

In meiner Not rief ich zu dir, HERR, und du hast mir geantwortet.

Aus der Tiefe der Totenwelt schrie ich zu dir,

und du hast meinen Hilfeschrei vernommen.

Obwohl Jona vorher vor Gott geflüchtet war, obwohl er eigentlich schon mit seinem Leben abgeschlossen hatte – wie der folgende Vers zeigt – wendet er sich an den Gott, der einzig retten kann. Ihm fällt Psalm 120,1 ein, den er immer mal wieder im Gottesdienst gebetet hatte: Ich rufe zu dem HERRN in meiner Not, und er erhört mich.

Ja, das erlebt er ganz konkret: Eigentlich hätte er im stürmischen Meer elendig ertrinken müssen. Aber der Herr hat ihm diesen Fisch geschickt, in dessen Bauch er jetzt überlebt.

Geht uns das nicht manchmal genauso in den Stürmen unseres Lebens. Auf einmal schickt Gott so ein Rettungsboot in Form eines lieben Menschen, der uns hilft. Oder er sagt uns ein Wort, dass uns tröstet.

Diese Erfahrung, Ihr Lieben, sind die, an denen wir uns festhalten können. Gott hilft wirklich. Er kann es und er tut es auch! So wie er es bei Jona gezeigt hat.

Auf diese Erfahrung greift Jona in seinem Gebet zurück. Auf die beruft er sich: Du Gott kannst helfen und du hörst meinen Hilfeschrei.

Im Übrigen finden wir hier eine ganz ähnliche Erfahrung Jesu in seiner Passionsgeschichte. Nämlich im Garten Gethsemane, wo ihm die Todesangst beklemmend nahe kommt. Und wo er in seiner Not betet. Vater, wenn es sein kann, dann lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.. Und dann hängt er noch etwas an, was Jona nie so gebetet hätte, bis zum Schluss eigentlich nicht gebetet hätte.: Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Jesus betet auch in seiner Todesangst um Rettung aus der Not: Aber er fügt sich in den Willen Gottes. Weil er weiß, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen (Römer 8, 28).

Ich denke, dass ist eine erste Hilfe in unseren Nöten:

Wende Dich im Gebet an den Gott der wirklich heraus retten kann. An den Schöpfer, der Himmel und Erde gemacht hat. Und lasse dich ganz auf seinen Willen ein. Er wird alles zu Deinem Besten führen.

Ein zweite parallele Erfahrung die Jona und Jesus machen, ist die der Gottverlassenheit.

Jona betet: Ich dachte schon, du hättest mich aus deiner Nähe verstoßen, deinen heiligen Tempel würde ich nie mehr sehen.

Und Jesus ruft am Kreuz aus: Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?

Genau dieses Gefühl der Gottverlassenheit kann uns doch auch bisweilen beschleichen.

Diese Woche habe ich gelesen, dass es in Amerika einen Ort gibt, der heißt "Nothing", "Nothing" bedeutet "Nichts". Der Ort ist irgendwo on der Wüste von Arizona, besteht aus drei Häusern in denen drei Männer wohnen, die ab und zu Landmaschinen ihrer mehr oder minder weit entfernten Nachbarn reparieren. Die Leute fühlen sich anscheinend wie ein Nichts. Ihr Ort ist ein Nichts am Ende der Welt. Kaum jemand verirrt sich dort hin. Totale Gottverlassenheit. Hitze, Trockenheit, Einsamkeit.

Beschreibt das nicht manches Mal auch unser Gottesverhältnis? Gott, wo bist Du? Hast Du überhaupt noch was mit mir am Hut? Bin ich Dir egal? Hörst mich eigentlich? Gott, ich brauche dich. Melde Dich doch mal!

Genau diese Klagen und anfrage stellen Jona und Jesus auch in ihrem Leid. Und diese Fragen sind legitim. Ich darf sie stellen. Ich darf meine Not und Angst herausschreien. Mein Gott, warum?

Ich habe es erst jetzt wieder neu bei unsere Seelsorge-Fortbildung auf der Distriktsversammlung gehört. Die Warum-Frage ist legitim: Jesus stellt sie auch. Die Frage ist legitim – auch wenn sie nicht beantwortet wird. Oder wenn dann vielleicht nicht in diesem Leben.

Aber dass ich die Frage stellen darf, das entlastet mich. Ich muss nicht alles immer sofort in die Wozu-Frage umbiegen.

Warum Gott, ist mein Mann so früh gestorben? Warum muss er diese Krankheit erdulden und vielleicht daran sterben. Warum Gott, setzt einer von uns unsere Ehe auf's Spiel, indem er mit jemand anderem fremd geht? Warum Gott, lassen sich unsere Kinder nicht anstecken von dem Glauben und dem Vertrauen auf Dich, dass uns ergriffen hat? Warum Gott, gibt es so viele Kinder ohne Eltern und so viele Eltern ohne Kinder auf dieser Welt. Und warum wird es ihnen so schwer gemacht zusammen zu kommen?

Wir dürfen das fragen. Es ausgesprochen zu haben nimmt uns schon mal einen Teil der Last von den Schultern. Es gibt einen Teil der Verantwortung an Gott ab. Und ER ist die richtige Stelle, an die wir diese Frage richten dürfen.

Und wenn wir ihn darum bitten, dann zeigt er uns vielleicht ganz behutsam, langsam Schritt für Schritt, die Antwort auf die Frage. Manchmal behält sie dann trotzdem nur vorläufigen Charakter. Und wir werden die endgültige Lösung erst in der neuen Welt Gottes erfahren. Aber wir dürfen wissen: Gott mutet uns nur soviel zu, wie wir auch verkraften und ertragen können.

 

Eine dritte parallele Erfahrung bei Jona und Jesus ist die Errettung aus Todesnot.

Jona betet: Aber du, HERR, mein Gott, hast mich lebendig aus der Grube gezogen.

Und von Jesus bezeugen alle Evangelien: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier er ist auferstanden (Lk 24, 5f)

Jona ist zwar vom Tode errettet worden. Aber er ist wieder gestorben. Jesus aber ist aus den Toten zu einem ewigen Leben auferstanden. Was in Jona nur zeichenhaft angedeutet wird ist Jesus Wirklichkeit geworden. Er hat dem Tod die Macht genommen und dem Leben zum Durchbruch verholfen.

Alle die sich mit ihm verbunden haben, dürfen berechtigte Hoffnung haben, dass sie auch mit ihm den Tod überwinden werden.

Ich finde Martin Luther hat das einmal sehr schön beschrieben:

Mir ist es bisher wegen angeborener Bosheit und Schwachheit unmöglich gewesen, den Forderungen Gottes zu genügen. Wenn ich nicht glauben darf, dass Gott mir um Christi willen, dies täglich beweinte Zurückbleiben vergebe, so ist's aus mit mir. Ich muss verzweifeln. Aber das lass ich bleiben. Wie Judas an den Baum hängen, das tu' ich nicht. Ich hänge mich an den Hals oder Fuß Christi wie die Sünderin.

Ob ich auch schlechter bin als diese, ich halte meinen Herrn fest.

Dann spricht er zum Vater: Dieses Anhängsel muss auch durch. Es hat zwar nichts gehalten und alle deine Gebote übertreten. Vater, aber er hängt sich an mich. Was will's! Ich starb auch für ihn. Lass ihn durchschlupfen.

Das soll mein Glaube sein!

 

Wenn Du auch durchschlupfen willst und weißt noch nicht, wie, dann wird es höchste Zeit, sich an den Hals Jesu zu hängen.

 

Ich möchte zum Schluss noch eine Beobachtung mitgeben, wie Jesus mit dem Leiden und der Zeit in der Dunkelheit des Todes umgeht?

Mancher hat sich vielleicht schonmal die Frage gestellt: Was hat er da eigentlich gemacht im Reich des Todes? Immerhin bekennen wir im Apostolikum, dass er da hinabgestiegen sei.

Und immerhin beschreibt Jesus bei der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus die Totenwelt durchaus als eine aktive. (Lukas 16, 19ff) Es ist nicht einfach ein Zwischenzustand des Schlafens oder passiven Verharrens. Sondern in der Totenwelt sind die Verstorbenen offenbar durchaus noch aufnahmefähig.

Wie sonst könnte der 1. Petrusbrief zweimal darauf hinweisen (3,18 + 4,6) dass Jesus den Toten das Evangelium gepredigt hat? Jesus selber weist auch einmal in Joh 5, 25, darauf hin, dass die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Sohnes Gottes hören werden.

Wiewohl das hier bei Jesus noch eine weitaus tiefere Dimension hat. Ich finde von Jesus können wir hier eine zweite Art lernen mit dem Leid und der Dunkelheit unseres Lebens umzugehen.

Wir können ihnen gerade in und durch unser Leid zum Zeugnis des Evangeliums werden. Gerade die Art wie wir mit Leiden umgehen, kann zum Zeugnis für Christus werden. Ganz behutsam können wir dann auch mit Worten bezeugen, was Jesus uns in unserem Leben und Leiden bedeutet und wie er uns heraus hilft.

Gerade in Schwachheit und in den Fragen, gerade in dem Unfertigen, können wir auf den hinweisen, der auf alle Fragen eine Antwort hat. Es ist genau diese missionarische Grundprinzip, dass ein Bettler dem anderen sagt, wo es Brot gibt.

Im Leid können wir also zwei Dinge von Jona und Jesus lernen und mitnehmen:

1. Wende Dich in der Not an den Vater Jesu Christ, der wirklich helfen kann.

2. Schrei deine Ängste und Fragen heraus. Auch die Warum-Frage. Das entlastet Dich und ist bei Gott am besten aufgehhoben.

3. Häng dich im Sterben an Jesus. Mit ihm kannst Du durchschlupfen in die neue himmlische Welt Gottes.

4. Gerade in Deinem Umgang mit dem Leid, kannst du zum Zeugnis für Christius werden, denn Gott sagt:

Lass die an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Amen.

 

 

 

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