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Bibeltext
1 Das gefiel Jona gar nicht, und er wurde zornig. 2 Er sagte: »Ach HERR, genau das habe ich vermutet, als ich noch zu Hause war! Darum
wollte ich ja auch nach Spanien fliehen. Ich wußte es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt keine Grenzen. Das Unheil, das du androhst, tut dir hinterher leid. 3 Deshalb nimm mein
Leben zurück, HERR! Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!«
4 Aber der HERR fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, so zornig zu sein?«
5 Jona verließ die Stadt in Richtung Osten. In einiger Entfernung hielt er an und machte sich ein Laubdach. Er setzte sich darunter in den Schatten, um zu sehen, was mit der Stadt geschehen würde.
6 Da ließ Gott, der HERR, eine Rizinusstaude über Jona emporwachsen, die sollte ihm Schatten geben und seinen Ärger vertreiben. Jona freute sich riesig über diese wunderbare Staude. 7 Aber früh am
nächsten Morgen schickte Gott einen Wurm. Der nagte den Rizinus an, so daß er verdorrte. 8 Als dann die Sonne aufging, ließ Gott einen heißen Ostwind kommen. Die Sonne brannte Jona auf den Kopf, und ihm wurde ganz
elend. Er wünschte sich den Tod und sagte: »Sterben will ich, das ist besser als weiterleben!«
9 Aber Gott fragte ihn: »Hast du ein Recht dazu, wegen dieser Pflanze so zornig zu sein?«
»Doch«, sagte Jona, »mit vollem Recht bin ich zornig und wünsche mir den Tod!«
10 Da sagte der HERR: »Schau her, du hast diese Staude nicht großgezogen, du hast sie nicht gehegt und gepflegt; sie ist in der einen
Nacht gewachsen und in der andern abgestorben. Trotzdem tut sie dir leid. 11 Und mir sollte nicht diese große Stadt Ninive leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben, die rechts und links nicht
unterscheiden können, und dazu noch das viele Vieh?«
Zielaussage:
Gott will Leben retten.
Ihr Lieben,
Gott will Leben retten! Das ist die gute und zentrale Nachricht aus dem Buch Jona. Gott will Leben retten!
Das ist die tröstende Nachricht für alle, die mit ihrem Leben hadern, die verzweifelt sind über ihrer Lebenssituation Gott will Leben retten! Das ist die bewahrende Nachricht für alle, die schon mal an Selbstmord gedacht haben.
Gott will Leben retten! Hätte das der 19-jährige Amokschütze in Erfurt gehört und persönlich erfahren, dann hätte nicht 17 unschuldige Menschen und sich selbst hinrichten brauchen. Gott will Leben retten!
Er will mein Leben retten, er will dein Leben retten, er will das Leben aller Menschen retten – und zwar unabhängig von Alter, Religion oder Hautfarbe.
Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. (1. Tim 2,4) Diese Bekenntnis aus dem Neues Testament ist nichts anderes als diese Grundaussage im Jonabuch Sollte
mir nicht diese große Stadt Ninive leid tun, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen leben
Sollte mir nicht die Stadt Erfurt leid tun, in der mehr als 200.000 Menschen wohnen? Sollte mir nicht das Land Thüringen leid tun, in dem rund 2,5 Mio Menschen leben. Sollte mir nicht Deutschland leid
tun, in dem ca. 80 Mio Menschen wohnen. Sollten mir nicht die gut 700 Mio Menschen leid tun , die in Europa wohnen? Sollten mir nicht die 6,5 Milliarden Menschen leid tun, die die Erde bevölkern. Sollten mir nicht
die etwa 60.000 Menschen leid tun, die in Sindelfingen wohnen. Sollte mir nicht Joachim Schumann leid tun, der in Sindelfingen wohnt?
Ich habe sie doch alle geschaffen. Wie sollte ich mich nicht um sie kümmern wollen? Wie sollte mich nicht jeder einzelne von Ihnen interessieren? Ich liebe meine Geschöpfe und ich möchte
mit ihnen in Gemeinschaft leben. Ich möchte, dass sie sich mir zuwenden und ihr Leben von mir leiten lassen und meine Kraft in ihnen wirken lassen und durch sie zur Ausprägung kommen lassen.
Das, lieber Jona, hast du nicht bedacht, als du befürchtetest, dein Gesicht zu verlieren. Aber überlegt doch mal, was ist wohl mehr wert – dass deine Prophetie nicht zutrifft oder das
Leben von 120.000 Menschen? Was ist wohl wichtiger – die Befriedigung deine Rachegelüste oder dass 120.000 Menschen zu mir umkehren? Was ist wohl bedeutsamer – deine Angst vor der assyrischen Übermacht oder dass
diese Macht in meinen Händen liegt?
Und Jona, bevor du's vergisst: Das was du am Anfang von mir bekannt hast, gilt auch für dich: Ich wußte es doch: Du bist voll Liebe und Erbarmen, du hast Geduld, deine Güte kennt
keine Grenzen. Das Unheil, das du androhst, tut dir hinterher leid. (V4)
Meine Liebe und mein Erbarmen gilt auch dir. Mit Geduld versuche ich dir aufzuzeigen, was ich wirklich will: Ich will Menschen retten. Meine Güte betrifft alle Menschen und sie betrifft
auch dich. Jona, weißt Du nicht, das meine Güte dich zur Umkehr treibt (Röm 2.,4)? Ich möchte, dass deine verqueren Gedanken meine Denkweise verstehen lernen. Ich lasse dich einen Blick in mein Herz und mein Wollen tun: Ich möchte Menschen retten.
Denn ich habe kein Gefallen am Tod des Sterbenden, spricht Gott der HERR. Darum bekehrt euch, so werdet ihr leben. (Hes 18, 34)
Merken wir was? Gottes Güte und unsere Hinwendung zu ihm gehören zusammen. Gottes Güte gilt uns immer, aber sie ist nicht billig zu
haben. Sie ist nicht zu haben, egal was wir tun. Wir können nicht munter drauflos leben und tun, was wir wollen, ohne nach Gott zu fragen. Dass Gott das Leben der Niniviten gerettet hat, hatte zur Voraussetzung,
dass sie sich von Ihren falschen Handlungs- , Denk- und Redensweise abgewendet und sich zu Gott bekehrt haben. Wenn wir Gottes Güte für uns in Anspruch nehmen wollen, dann müssen auch wir uns ihm zuwenden. Immer
wieder neu, oder auch zum ersten mal. Denn Gott will mein und dein Leben retten.
Was bedeutet dieses "retten"? "Retten" bedeutet zunächst mal "vom Tod retten". Gestern waren zwei
Todesanzeigen übereinander in der Zeitung. Die eine von dem 14-jährigen Fahrradfahrer, der in Deufringen von einem Autofahrer tot gefahren worden ist. Die andere von einer älteren Dame, die ich nicht kenne. Der
Unterschied zwischen den beiden Todesanzeigen. Die eine betont rein die menschliche Seite: "Wir werden dein offenes und fröhliches Wesen in Erinnerung bewahren. Die Schulgemeinschaft des Stiftsgymnasiums
Sindelfingen". Über der anderen der kurze Bibelvers aus Hiob 19,25 "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt! Und darunter von den Angehörigen: Wir danken Gott, dass er sie nach langem Leiden erlöst hat."
Christen wissen, dass der Tod für sie nur ein Durchgangsstadium ist. Mit dem Tod ist für sie nicht alles aus. Der Tod hat für uns Christen nicht das letzte Wort. Weil Jesus die Mauer des Todes durchbrochen hat,
dürfen wir mit ihm durch die Bresche schlupfen. Schlimm ist, es, ohne Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus sterben zu müssen. Denn dann wird das diesseitige Leben vergöttert, dann wird es so lang wie möglich
hinaus gezögert, dann hat man Angst vor dem Sterben.
Der Apostel Paulus sagt: Der Tod ist die logische Folge der Sünde. Oder um es in Luther-Deutsch zu sagen: der Sünde Sold ist der Tod. Aber was ist Sünde? Sünde ist das Verstricktsein in
Schuldzusammenhänge, aus denen ich nicht herauskommen. Sünde ist die Maßlosigkeit, die meint sein zu können wie Gott und die sich dabei nicht nur
überhebt sondern auch böse verhebt. So wie Jona, als er seinen Willen Got gleichsetzte, als er seinen Rachegelüsten gegenüber den Niniviten Geltung verschaffen wollte. Welch ein enger Blickwinkel und welch eine
Selbstüberschätzung, welch ein Egoismus und welch ein Kleingeist, als er die Rizinusstaude für wichtiger nahm als das Leben der 120.000 in Ninive. Das ist Sünde: Gott spielen. Sich selber als den Herrn aller Dinge
aufspielen. Zu glauben: nur wie ich's meine und mache ist's recht. Und dabei machen wir wie Jona eine gewaltige Bauchlandung. Andreas Malesse hat am Donnerstag in seinem Vortrag über Sünde einen guten Indikator
genannt, um herauszufinden, was bei mir Sünde ist: Er lehnt sich da bei Paulus in Römer 7 an: Dass ich das Gute, das ich will nicht tue, aber das Böse, das ich nicht will, immer wieder tue.
Dass wir uns als Christen bemühen im Glauben zu wachsen und auch danach zu handeln, ist für viele eine Selbstverständlichkeit. Wir wollen in der "Heiligung" voran kommen und tun es auch.
Diebstahl, Mord, Ehebruch, Lüge, Sonntagsheiligung ist für viele kein Thema mehr. Das sind Dinge die sie nicht belasten. Aber nach Paulus ist Sünde nicht nur, dass wir die Gebote übertreten sondern Sünde ist auch,
was wir unterlassen. Sünde ist auch strukturelle Sünde. Sünde ist auch, in einer Gesellschaft zu leben, die anderen schwer macht zu überleben. Die den Schwachen kaum eine Chance gibt. Wo der Leistungsdruck so hoch
ist, dass einer keine Lebensperspektive mehr für sich sieht, wenn er zweimal vom Abitur ausgeschlossen wird. Und dann ausrastet.
Der Sünde Sold ist der Tod. Am Freitag haben wir kaum anschaulicher die schreckliche Wahrheit dieses Satzes vor Augen geführt bekommen
können. Sünde ist auch dieses Unvergebbare, weil Täter und Opfer schon tot sind. Wie sollen wir dieser unglaublichen Schuld Herr werden – so werden die Hinterbliebenen durch alle Trauer hindurch fragen. Rache –
nützt gar nichts. An wem sollten sie sich denn rächen? Vergebung – wem sollten sie vergeben? Die Opfer sind tot. Der Täter ist tot. An dieser Stelle wird deutlich, dass die einzige Möglichkeit, mit dieser Schuld
fertig zu werden, die stellvertretende Vergebung durch den Sohn Gottes ist. Wie anders sollten wir mit unvergebbarer Schuld fertig werden, als wenn ein Unschuldiger für uns und für alle anderen Sünder die Schuld auf
sich nimmt.
Es steht also fest: schreibt Paulus in Röm 5,18 Durch die Sünde eines Menschen - Adam – sind alle Menschen
in Tod und Verderben geraten. Aber durch die Erlösungstat eines Menschen - Christus - haben alle die Chance zu einem neuen Leben mit Gott.
Wenn wir eine Lehre aus der Wahnsinnstat von Erfurt ziehen können, dann doch den, dass wir unseren Kindern und allen Menschen in unsere Lebensumfeld deutlich machen müssen: Du hast einen Wert außerhalb
von Leistung, Schönheit und Ansehen. Du hast deinen Wert, weil du eine von Gott geliebte Person bist. Gott ist dein Schöpfer. Er wollte, dass es
dich gibt. Und er möchte mit dir zusammen was aus deinem Leben machen. Gott will dein Leben leiten und er will es zu einem guten Ziel hin führen. Egal aob mit oder ohne Abitur. Gott liebt dich und darum bist du. Und
er hat seine Liebe zu dir darin bewiesen, dass er sein Bestes für dich gab: Seinen Sohn Jesus Christus.
So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben nicht verloren gehen sondern
das ewige Leben haben. (Joh 3,16)
Gott will Menschen retten. In Jesus hat er seinen Willen wahr gemacht. Jesus hat das selber einmal von seinem Vater gesagt: Er will nicht, daß einer dieser kleinen, unbedeutenden Menschen verlorengeht.« (Mt 18,14)
Wir haben es besser als Jona. Wir kennen seine Geschichte. Und wir kennen die Geschichte von Jesus. Was Jona erst mühsam lernen musste dürfen wir erfahren, dürfen es für uns in Anspruch nehmen. Gott
will mich retten. Ich brauche mich ihm nur zuzuwenden und ihn zu bitten: "Komm in mein Leben, mach es ganz neu. Erlöse mich von meiner Schuld, erlöse mich von dem Belastenden in meinen Beziehungen. Erlöse mich
von mir selber und allem, wo ich mir selbst und dir im Weg stehe. Nimm du mein Leben in die Hand. Ich will mich an dich halten, deinen Willen immer besser kennen lernen und meinen Willen deinem angleichen. Halte du
mich jeden Tag bei dir. Mache du mir dein Wort lieb und wert, damit ich verstehe, was du mir sagen willst. Gib mir immer wieder das Verlangen und den Mut im Gebet alles mit dir zu besprechen: Meinen Dank, meine Not
und meine Bitten. Zeige mir meinen Platz in der Gemeinde. Erwecke meine Begabungen, damit ich sie einsetze wo du mich brauchst und wo Menschen auf
meine Hilfe warten. Gib mir deine Geistes-Gegenwart, wenn es darum geht, dich zu bezeugen. Herr Jesus, verwandle mein Leben, damit es für dich zur Freude und den Menschen zur Hilfe wird. Und zeige mir immer wieder
ganz spürbar deine Liebe, damit ich dich erfahre und bei dir bleibe und nicht verzage."
Amen.
Wir beten miteinander das Vaterunser
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