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Bibeltext (rev. Elberfelder ÜS)
5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Mehre uns den Glauben! 6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so
würdet ihr zu diesem Maulbeerfeigenbaum sagen: Entwurzele dich und pflanze dich ins Meer! Und er würde euch gehorchen.
Zielaussage: Wir brauchen keinen großen Glauben, sondern den Glauben an einen großen Gott.
I. Mehre uns den Glauben
Ihr Lieben
Mehre uns den Glauben! – ist das nicht immer einmla wieder auch unser Wunsch, unsere Bitte ab Gott? Gerade angesichts der schlimmen Terroranschläge in New York und Washington. Es kann sein, dass uns die Bitte der Jünger Jesu überrascht, vielleicht auch ein bisschen irritiert. Trauen wir den Aposteln doch von vornherein eigentlich einen starken Glauben zu. Warum sollten gerade sie im Glauben schwach sein, wenn sei doch so dicht "an der Quelle" waren, wenn sie wie kaum jemand anders mit Jesus vertraut waren?
Aber mit ihrer Bitte um mehr Glauben sind uns die engsten Mitarbeiter Jesu menschlich ganz ähnlich. Es gibt eine ganze Reihe von
biblischen Geschichten hören, in denen sich Menschen schwach im Glauben fühlten. Zum Beispiel beim Weg Israels aus Ägypten durch die Wüste in das "Gelobte Land". Auch da gab es glaubensschwache Momente. Da
wollten die Israeliten wieder zurück nach Ägypten, in ihr gewohntes Leben. Sie glaubten nicht mehr ihre Vision.
Ich kenne das Gefühl, schwach im Glauben zu sein. Ich sehne mich nach Stärke im Glauben, die ausstrahlt und anderen weiterhilft. Und
ich denke, viele Menschen - besonders Jugendliche - bewegt heute die Frage nach Lebenssinn, Orientierung und Glauben und sie erwarten Antworten!
Sorgen und schlimme Erfahrungen können auf einmal übermächtig werden und uns den Lebensmut, ja, sogar den Glauben nehmen. Unvorstellbar,
was die Menschen am 11. September in den Flugzeugen erlitten haben, die plötzlich als Mordwaffen missbraucht wurden, und in den Gebäuden, die Ziel des Terrors waren, - und dann die Angehörigen...
Es gibt auch ganz persönliche Lebenssituationen, in denen wir uns so hilflos vorkommen. Wir wünschen uns dann Kraft, um durchzuhalten.
Der Glaube soll dann wie ein Rettungsanker sein, der unser Lebensschiff in den Sturmfluten bewahrt. Zum Beispiel bei jemandem, dem eine schwere Krankheit plötzlich alle Lebenspläne durchkreuzt: Vielleicht denkt er:
"Ich kann nicht mehr, ich kann auch nicht mehr glauben." Jemand anderes verliert den Glauben an die Gemeinschaft und an Nächstenliebe. Wendet sich enttäuscht von der Kirche ab. Scheint denen Recht zu
geben, die provozierend sagen: "Glaube - ja, Kirche - nein!" Es gibt dieses Gefühl der Schwäche, auch wenn ich manchmal in Hochstimmung gerate und "Bäume ausreißen" könnte. Viel näher liegt mir
da, was der Vater eines kranken Kindes vor Jesus ehrlich aussprach: "Herr, ich glaube; hilf meinem Unglauben!" (Markus 9,24) Dieses Eingeständnis lässt spüren: Es ist eben nicht damit getan, über
den Glauben einigermaßen Bescheid zu wissen und das Glaubensbekenntnis auswendig zu können. Glauben ist mehr als etwas wissen und für wahr halten. Zwischen "glauben und glauben" gibt es einen Unterschied.
Welche Erfahrungen mit Glauben in unsere Kirche und Gemeinde haben mich weitergebracht, gestützt und getragen, welche wirkten eher hemmend oder gar belastend auf mich? Welchen Glauben möchte ich haben?
Ein Bild für Glauben kann Martin Luthers Ausspruch sein: "Das christliche Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht ein Gesundsein, sondern Gesundwerden, überhaupt nicht ein Sein, sondern ein Werden,
nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sinds noch nicht, wir werdens aber. Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber auf dem Weg." Das "Frommwerden" bedeutet nach biblischer Überzeugung zugleich "Einander-gerecht-werden". Und das, so finde ich, stellt unseren Glauben - gerade angesichts der derzeitigen globalen Gefahren - vor große Herausforderungen. Jesus hat uns aber mit seinem Gleichnis vom kleinen Senfkorn gezeigt, dass Gott dazu den Beitrag eines jeden einzelnen Menschen braucht.
Dietrich Bonhoeffer hat, ähnlich wie Martin Luther, von einem Lernen im Glauben gesprochen. Glauben bedeutete für ihn
"umdenken", und er betonte, "dass man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt..., nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Mißerfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten,
- dann - so Bonhoeffer weiter - wirft man sich Gott ganz in die Arme". (Widerstand und Ergebung, S.183) Wenn wir sie Glauben lernen wollen, dann können wir die Apostel verstehen, wenn sie Jesus bitten, ihren
Glauben zu mehren.
Wie kommt es zu dieser Bitte?
II. Der Bitte der Apostel gehen im unmittelbaren Zusammenhang die Worte Jesus voraus: Es ist unmöglich, dass keine Verführungen
kommen; aber weh dem, durch den sie kommen! Es wäre besser, dass man einen Mühlstein an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als dass er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt. - Hütet euch! (V.1-3a)
Die Apostel müssen auf einmal Zweifel empfunden haben, ob sie diesem Anspruch Jesu noch genügen können. Vielleicht haben sie gespürt, wie schwer es ist, den Glauben im ganz gewöhnlichen Alltag zu leben.
Möglicherweise hat sie die Warnung Jesu beunruhigt. Und sie haben sich selbstkritisch gefragt, ob sie der Gefahr erliegen werden, die "Kleinen", die Schwachen in den Gemeinden, zum Abfall zu verführen?
Jesus hat sie nämlich direkt danach auf das Zusammenleben mit ihren Schwestern und Brüdern in den Gemeinden angesprochen: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm. Und
wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche: Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben. (V.3b-4)
Ich kann mir die Bedenken der Apostel gut vorstellen: Wie können wir das schaffen, immer bereit zu sein, dem Bruder, der Schwester, zu
vergeben, ihnen immer wieder eine neue Chance zu geben! Sie fühlten sich damit überfordert und meinten deshalb dass ihr Glaube zu schwach ist. Vielleicht haben sie sich sogar gefragt haben: Wie kann man überhaupt
ein Jünger Jesu sein? Mit diesem Selbst Zweifel, und dieser inneren Unsicherheit, wenden sie sich an Jesus und bitten ihn: Mehre uns den Glauben! (V.5).
II. Das Senfkorn
Jesus antwortete: Wenn ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und
versetze dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen. Jesu Antwort kommt überraschend: "Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn..." Martin Luthers Übersetzung: "Wenn ihr Glauben hättet..."
erweckt den Eindruck, als wenn Jesus bei seinen Aposteln keinen Glauben sieht, nicht einmal einen Glauben, der so winzig wie ein Senfkorn ist. Vermisst Jesus bei ihnen tatsächlich den Glauben? Aber wer um mehr
Glauben bittet, der hat ja schon welchen. Für die Apostel hat der Weg des Glaubens schon begonnen. Genauso stehen auch viele von uns heute mit ihrem Glauben nicht am Nullpunkt , sondern wir bringen Erfahrungen mit.
Und deshalb steht hier im griechischen Urtext auch wörtlich: "Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn".
Glaube haben wie ein Senfkorn! - Durch diesen Vergleich mit einem Senfkorn veranschaulicht Jesus: Es ist nicht entscheidend, wie groß und
stark dein Glaube ist. Glaube, der so winzig und unscheinbar ist wie ein Senfkorn, ist bereits Glaube. Der kleine "Senfkornglaube" ist starker Glaube! Jesus sucht Menschen, die glauben, die Gott in allem vertrauen. Habt Glauben an Gott!,
sagt Jesus seinen Jüngern einmal einer anderen Stelle (Mk 11,22). Der kleinste Glaube ist stärker als jede menschliche Vernunft es für möglich hält.
III. Der Maulbeerfeigenbaum
Wenn ihr Glauben habt so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze dich ins
Meer!, und er würde euch gehorchen.
Mit dem Bild vom Glauben, der Bäume (oder Berge) versetzt, hebt Jesus die Kraft des Glaubens hervor: alle Dinge sind möglich dem, der
glaubt (Markus 9,23). Jesus spricht hier von einem Maulbeerfeigenbaum. Der hatte ein besonders tiefes und weitreichendes Wurzelwerk. Damit gibt Jesus dem Bild noch eine kräftigere Aussage. Jesus seine Apostel gerade davor bewahren, ihr vermeintliches "Quäntchen" Glauben gering zu schätzen. Es kann in der Verbindung mit Gott kraftvoll wirken. Nicht dem Kleinglauben redet Jesus hier das Wort. Kleinglaube ist kein Glaube, ist vielmehr sein Gegenteil, nämlich Misstrauen. Das haben wir bei der Geschichte vorn der Sturmstillung vorg´hin gehört. Aber Jesus sät kein Misstrauen. Jesus sucht unseren Glauben. Jesus will unser Vertrauen gewinnen.
Glaube wie ein Senfkorn!. Ihr habt vorhin von den Kindern ein Senfkorn in die Hand gelegt bekommen. Sehen wir es uns noch mal an - wie
klein es ist! Wir haben hier gelben Senf. Aber von den schwarzen Senfkörnern, die Jesus wahrscheinlich vor Augen hatte, braucht man 600 Stück, um 1 Gramm zu erreichen. Das ist ein starkes Bild für den Glauben. Und
zugleich ein Geheimnis für den Glaubens! Es gibt für Jesus kein Maß von Glauben, auch keinen richtigen oder falschen Glauben. Sondern es kommt ihm darauf an, dass wir uns mit dem Glauben, den wir haben an Gott
orientieren. Dass wir uns an ihm festhalten. Egal wie groß unsere Glaube ist.
Trotzdem stellen wir an uns selbst höhere Erwartungen. Was unterscheidet uns denn heute von den Aposteln! - Da zweifeln wir plötzlich, ob
wir den persönlichen oder beruflichen Aufgaben wirklich gerecht werden. Wir überfordern uns, auch in Glaubens-Dingen, meinen, nicht genug Glaube und Liebe zu haben, wollen immer mehr und noch etwas
dazubekommen. Wir sind mit uns selbst unzufrieden. Aber Jesus überfordert uns nicht. Ein winziger Glaube ist stark genug, um Berge oder Bäume zu versetzen. Nichts ist bei Gott unmöglich! "Nur aus dem
Unmöglichen kann die Welt erneuert werden" (D. Bonhoeffer).
Vielleicht ist Euch schon aufgefallen, das Jesus auf die Bitte der Jünger Mehre uns den Glauben! gar nicht eingeht. Jesus geht es mit seiner Antwort vom Senfkorn darum, dass wir unseren Glauben, so klein er auch sein mag, mit Gott verbinden, Und er hat dann die Kraft, das Menschen-Unmögliche zu tun. Es kommt nicht darauf an, einen großen Glauben zu haben. Sondern was wir brauchen, ist ein Glaube an einen großen Gott!
Jesus wollte den Menschen Mut machen, ihren Glauben - erscheint er noch so winzig - nicht aufzugeben. Glauben heißt: mein Leben mit Gott
in Beziehung bringen, mich Gott zuwenden. Dass Menschen glauben können, können wir nicht herbeiführen. Aber wir können darum bitten. Der Glaube, unser Vertrauen zu Gott, hat verändernde Kraft - zusammen mit ihm. Und
darum dürfen wir bitten. Gerade im Blick auf die Herausforderungen, die uns im Bereich Friedenssicherung bevorstehen. Denn sie fangen im Kleinen bei uns selbst an.
Amen.
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