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Ein erhellender Besuch
von Pastor Joachim Schumann
gehalten in: Sindelfingen am: 03.12.2000
Predigt über: Lukas 1,67–79 (Benedicat – Lobgesang des Zacharias)
Bibellesung
67 Sein Vater Zacharias wurde vom Heiligen Geist erfüllt und begann prophetisch zu reden:
68 Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen; 69 er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.
70 So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.
71 Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen; 72 er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht, 73 an den Eid, den er unserm Vater
Abraham geschworen hat; 74 er hat uns geschenkt, daß wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen 75 in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.
76 Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.
77 Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.
78 Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, 79 um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu
lenken auf den Weg des Friedens.
Gott hat uns in seinem Sohn Jesus Christus besucht. Er bringt uns als Geschenk Gottes Liebe, Erlösung, Rettung, Treue und Erbarmen. Dies ist das Licht, das uns aus der Dunkelheit auf den Weg des
Friedens führt!
Ihr Lieben,
I. Ich habe gerne Besuch
Das war schon früher in unserer Familie so. Sonntags waren wir selten allein. Entweder hatten wir Gäste bei uns zu Hause oder wir waren irgendwo zu Besuch. Bei Verwandten, bei Freunden, bei Leuten aus der Gemeinde.
Auf diese Weise war bei uns Sonntags meistens was los. Und wenn mal kein Besuch geplant war, dann fanden wir Kinder es eher langweilig. Mit den Eltern spazieren gehen und so. Da war’s mir lieber, die Bude war voll.
Wir hatten jemandem zum spielen, oft waren Gleichaltrige da, mit denen wir uns auch ganz gut unterhalten konnten, oder im nahen Wald Baumhäuser bauen oder Tarzan spielen.
Irgendwie hat sich das bis heute durchgehalten. Ich habe gerne Besuch bei uns und ich mache auch gerne Besuche. Manche angekündigt und geplant, andere spontan, aber genauso herzlich. Und ich meine da nicht
nur die Besuche als Pastor, wo ich schnell als Amtsperson gesehen werde.
Nein, ich meine die Besuche von Freund zu Freund, oder die Besuche bei jemandem, der mein Dasein nötig hat.Heute ist auch wieder so ein Besuchstag. Heute Mittag gehen wir zu jemandem zu Besuch. Wir sind
eingeladen worden. Es wird ein sehr gutes Essen geben, das wissen wir schon von früheren Besuchen. Unsere Kinder werden sogar extra, was bekommen, weil ihnen was Bestimmtes nicht schmeckt. Wir werden uns gut
unterhalten. Wir werden uns freuen, das wir da sind. Wir spüren, dass wir willkommen sind.
Und am Abend haben wir Freunde bei uns zu Gast. Wir treffen uns so alle paar Monate mal. Mal gehen wir zu ihnen, mal kommen sie zu uns. Und wenn wir uns treffen, geht uns nie der Gesprächsstoff aus. Wir
kennen uns von früher. Und nach einer Pause von ein paar Jahren während des Studiums, haben wir uns vor einiger Zeit wieder getroffen.
Ich freue mich auf die Besuche. Sie zeigen mir, - dass jemand mich leiden mag- ich fühle mich akzeptiert und angenommen, weil jemand gern mit mir zusammen ist - ich fühle mich beachtet und wahrgenommen.
Wir lachen zusammen, teilen unsere Sorgen, geben uns gegenseitig Ratschläge, helfen einander auch mal ganz handfest, wir sprechen miteinander. So lernen wir einander immer besser kennen und vertrauen.
Deshalb mag ich Besuche und freue mich darauf.
Das Volk Israel freut sich bis heute auf den Besuch des Messias. Das wird z.B. deutlich am Seder-Abend, dem Vorabend des Pessach-Festes. Da wird extra bei der Feier des Passah-Mahles ein Platz für den
kommenden Messias freigehalten. Damals zur Zeit der Geburt Jesu, muss diese Sehnsucht nach dem Besuch des Erlösers ganz stark gewesen sein. Die Römer hatten das Land besetzt. Ein Befreier wurde erwartet und
war ja auch in der biblischen Prophetie angekündigt.
Zacharias, der Priester kannte sich darin aus.
Er hatte eine Hoffnung in sich, aber er wagte schon gar nicht mehr richtig daran zu glauben, dass Gott sich ihm persönlich zuwenden würde. Als er es dann doch tat und ihm einen Sohn zusagte, hatte er neun Monate schweigen müssen. Und nach diesen neun Monaten, als der Sohn – Johannes, der Täufer – geboren worden war, brach es aus ihm heraus und er stimmt seinen berühmten Lobgesang an. In prophetischer Vorausschau spricht er vom Kommen des Messias, als sei es schon geschehen.
Diese Worte sind gespickt mit Zitaten aus der hebräischen Bibel. Neun Monate des Schweigens haben Zacharias Gelegenheit gegeben, sich in die Verheißungen der Schrift zu vertiefen. Und dann dieser
Lobgesang.
Das Stichwort Besuch bildet sozusagen die Klammer um dieses Lied. Einmal kommt es fast am Anfang und einmal fast am Ende vor. Beim erstenmal singt Zacharias Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels! Denn
er hat sein Volk besucht.
Zum Schluss Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe. Und das ist genau der Zeitrahmen, in dem sich unser Leben abspielt.
Nämlich dem Wissen, dass Gott uns in seinem Sohn Jesus schon besucht hat und dass er uns wieder besuchen wird.
Was ist damit verbunden, wenn Zacharias weissagt
II. Gott hat uns besucht
Das griechische Wort für besuchen meint so viel wie: genau hinsehen in einer liebenden und suchenden Fürsorge. Es meint das engagierte Hinsehen auf Menschen in Bedrängnis. Es ist das genaue Gegenteil von
dieser leidigen Zuschauerhaltung, sondern das aktivierenden Sehen nach jemandem, der sonst nicht mehr gesehen wird. Kranke, Gefangene, Witwen und Waisen. Gott sieht nach diesen Menschen und kümmert sich um sie. So
besucht er sie in Jesus Christus. Ich finde hier vieles von dem wieder, was ich an Besuchen mag:
-Ich werde beachtet und wahrgenommen. Meine Sehnsucht nach Anerkennung und Gesehen-Werden wird zumindest ein Stück gestillt.
-Ich merke, dass ich geliebt werde. Die ganze Lebens –und Sterbegeschichte Jesu ist eine einzige Liebeserklärung Gottes an mich.
-Ich werde akzeptiert und angenommen. Jesus geht es nicht darum, mich niederzudrücken und mir noch mehr Forderungen Gottes aufzuerlegen. Sondern er will mich befreien zu einem Leben in der Gemeinschaft mit ihm
und mit anderen.
Mir vier Stichworten wird Gottes Besuch in Jesus Christus charakterisiert: Er kommt um uns zu erlösen (V 68), um uns zu retten (V 69+71) um uns seiner Bundestreue (V 70+72) vergewissern und mit Erbarmen (V
72).
Mit meinen eigenen Worten gedeutet: Jesus erlöst mich von meiner Selbstbezogenheit. Er befreit mich zur Gemeinschaft. Er versichert mir, dass Gott mir treu ist (auch wenn ich ihm treulos bin). Und er
begegnet mir mit Gnade und Barmherzigkeit. Aus dem Geschenk dieser Art wie Gott mit mir umgeht erwächst die Dienstbereitschaft (V75), es genauso zu machen.
Um wie viel mehr wird unsere Gemeinschaft in unserer Gemeinde und mit unseren Freunden reicher, wenn unsere Besuche diese Charakteristika hätten: Erlösend, befreiend, treu und barmherzig.
Gott macht uns in Jesus dieses Geschenk, damit wir es weiter schenken. Aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus.
Wir leben in dieser Spannung zwischen Schon-jetzt und Noch-nicht. Jesus ist schon gekommen, um uns das alles zu schenken. Wir nehmen es auch an. Aber wir sind nicht in der Lage in rechter Weise weiterzugeben. Und weil wir in dieser Unvollkommenheit leben, deshalb heißt es
III. Gott wird uns besuchen
damit einmal alles vollendet wird.
Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe, um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken
auf den Weg des Friedens steht in den letzten beiden Versen unseres Abschnittes
Gottes kommender Besuch ist wie ein Licht. Und damit ist nicht erst sein Kommen am Ende der Tage gemeint. Sondern sein Kommen in meinen Alltag.
Dahin, wo es dunkel ist, wo keiner hingucken kann und darf. Wo ich meine Ängste habe. Wo ich meine dunklen Seiten habe. Wo ich mich verlassen fühle.
Er kommt zu mir wenn ich im Schatten des Todes sitze. Im Schatten des Todes sitze ich zum Beispiel, wenn ich erfahre, das ist ernsthaft krank bin. Oder wenn mir ein lieber Angehöriger gestorben ist, Oder
immer dann wenn ich mir wie vom Leben abgeschnitten vorkomme.
Und schließlich: Er zeigt mir Schritte zum Frieden:
Der erste Schritt heißt Versöhnung. Gott hat uns in Jesus Christus mit sich selbst versöhnt (2. Kor 5, 19). Mich, der ich keine treue Verbindung mit ihm halten kann, nimmt er wieder in seine Gemeinschaft
aufgenommen. Und indem ich diese Akzeptanz erfahre, werde ich befreit, mich auch mit anderen zu versöhnen und mit Ihnen in Frieden zu leben.
Dies ist das Licht, das unsere Lebenswelt so dringend braucht.
Lassen wir uns doch beschenken von ihm. Gehen wir hin zum Lebenslicht und lassen uns das Feuer unseres Glaubens erneuern. So wie bei den Kindern vorhin das Licht der Großen Kerze auf ihre kleinen Kerzen übergesprungen ist.
Gott besucht uns in Jesus. Lassen wir das Licht seiner Liebe in unseren gegenseitigen Besuchen aufleuchten, heute und immer wenn Menschen unsere Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Barmherzigkeit und Treue
brauchen.
Amen.
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