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Bibeltext
33 Entweder: der Baum ist gut - dann sind auch seine Früchte gut. Oder: der Baum ist schlecht - dann sind auch seine Früchte schlecht. An den Früchten also erkennt man den Baum.
34 Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.
35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat.
36 Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; 37 denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund
deiner Worte wirst du verurteilt werden.
Zielaussage: Es kommt darauf an, dass unser Herz voll ist von Gottes Liebe und seinem Wort. Dann kann es auch überfließen von dem, was Gott in mich hineingelegt hat.
Ihr Lieben,
Kennt ihr auch solche Menschen, die sich im öffentlichen Bereich sehr gewählt ausdrücken, aber sobald sie privat sind, äußern sie, was sie wirklich denken? Immer wenn viele Leute dabei
sind, wählen sie sehr moderate Worte, aber sobald sie sich im geschützten Rahmen wähnen, reden sie Tacheles. Dann kommen auf einmal Haltungen und Meinungen zutage, über die man sich nur wundern kann: Versteckte
Menschenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Flüche, Kraftausdrücke, Fäkalsprache, um nur einige Beispiele zu nennen.
Und das ist im übrigen unabhängig von der politischen oder geistlichen Couleur.
Ihr sitzt dabei und könnt zwei verschiedene Reaktionen haben:
Die erste: Der Gedanke: Was muss da in ihm alles drin sein, dass da so was rauskommt.
Die zweite: Wie redet der eigentlich über mich, wenn ich weg bin?
Jesus kleidet dieses Verhalten in das Bild vom Baum: Nur ein Baum, der gut ist, wird auch gute Früchte tragen. Ein Baum der schlecht ist, wird schlechte Früchte tragen. Er verwendet das
Bild in unserem Bibeltext in einer Auseinandersetzung mit den Schriftgelehrten und Pharisäern. Zuvor hatten seine Jünger am Sabbat Ähren ausgerauft, weil sie Hunger hatten. Wenig später hatte Jesus einen Blinden und
Stummen von seiner Besessenheit geheilt. Und die Pharisäer unterstellten ihm, er habe den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.
Wenn Jesus die Pharisäer mit schlechten Bäume vergleicht, dann meint er genau das. Nach vorne tun sie schön, aber hintenrum, zeigen sie was sie wirklich denken. Nach vorne halten sie die
Gesetze und hintenrum erlauben sie sich solche Fehl-urteile. Mit der Folge, dass Jesus dadurch verurteilt wird, denn jemand, der mit dem Teufel im Bunde ist, ist verdammungswürdig. Jesus zeigt ihnen auf, dass der
Satan nicht mit dem Satan ausgetrieben werden kann, sonst hätte sein Reich keinen Bestand. Da das Böse aber faktisch da ist und zwar bei jedem Menschen, außer ihm, darum wirkt der Satan in der Welt. Und darum kann
Jesus die Besessenheit nur durch den Heiligen Geist geheilt haben, dem Geist Gottes, der die Gegenmacht, die stärkere Macht als der Satan ist.
Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes reden, wenn ihr böse seid? Jesus deckt auf, dass die Pharisäer im Grunde ihres Herzens böse sind. Als Beweis führt er an: Denn wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.
Oder wie Luther übersetzt. Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über.
Dieser Satz ist ja zunächst mal wertneutral. Er kann Positives wie Negatives bedeuten.
Wenn mein Herz von einem tollen Urlaub voll ist, dann werde ich davon erzählen, werde wunderbare Dias zeigen, werde vielleicht sogar andere davon zu überzeugen versuchen, dass es sich
lohnt, auch mal dahin in Urlaub zu fahren.
Aber wenn mir in diesem Urlaub die Geldbörse geklaut worden ist, wenn es dort die ganze Zeit geregnet hat und wenn das Hotelpersonal unfreundlich war, dann werde ich wohl kaum eine
Empfehlung für dort aussprechen.
Mein Mund geht über von Dingen, von denen ich von Herzen überzeugt bin. Wenn ich überzeugt davon bin, dass die oder die Musikgruppe wirklich super ist, dann werde ich auch mal andere zu
einem Konzert von ihnen einladen. Wenn ich überzeugt davon bin, dass das Essen in einem bestimmten Restaurant wirklich hervorragend schmeckt, dann werde ich das Restaurant auch anderen weiter empfehlen. Wenn ich von
meiner Gemeinde überzeugt bin, wenn ich denke, die Menschen hier sind offen und freundlich und werde geistlich gut ernährt, wenn die Musik gut ist, die Gottesdienste geben mir Kraft und das Gemeindeleben ist
lebendig und aktiv, dann werde ich auch andere von dieser Gemeinde zu überzeugen suchen.
Daran, was aus Menschen herauskommt, lässt sich ablesen, wovon sie wirklich begeistert sind. Welcher Geist in ihnen herrscht? Wovon ihr Herz voll ist.
Deshalb stellt Jesus in diesem Bibelabschnitt drei Fragen an mich:
1. Wovon bist Du eigentlich wirklich begeistert?
2. Was möchtest Du eigentlich durch Dein Sprechen erreichen? Also: Wovon soll Dein Herz überfließen?
3. Was muss darum in mein Herz hineinkommen?
Zu 1.Wovon bin ich eigentlich wirklich begeistert?
Was ist in meinem Herzen drin?
Ist es Freude über Gottes Taten in meinem Leben? Oder ist es eher Verbitterung aufgrund von schlimmen Erfahrungen?
Ist es eine grundsätzliche Menschenfreundlichkeit, die aus der Überzeugung stammt, dass Gott jeden Menschen gleich liebt, weil er ihn geschaffen hat. Oder ist es eher Angst und Ablehnung
von allem Fremden, weil damit schon böse Erfahrungen gemacht habe.
Ist es ein Gefühl der Befreiung, weil Jesus den Tod besiegt hat und ich mit ihm leben darf. Oder ist es Trauer, weil jemand Nahes gestorben ist und ich eigentlich keine so richtige Hoffnung
habe, wo er ist?
Ist es die Lust an den verführerischen Angeboten der Welt oder die Lust an Gottes und seinem ewigen Wort?
Oder ganz profan gesagt: Ist es die Lebensqualität einer Stadt oder die Zugkraft einer Gemeinde?
Die Antwort auf diese Frage lässt sich ganz einfach finden. Nämlich anhand der Frage: Wofür setze ich mehr Zeit und mehr Geld ein?
Zum 2. Was möchte ich eigentlich durch mein Sprechen erreichen? Also: Wovon soll mein Herz überfließen?
Ich habe mir diese Frage zunächst mal selbst gestellt. Und für mich folgende Antworten gefunden:
Ich möchte einfach bei meinen Gesprächspartnern ein positives Gefühl hinterlassen. Das Gefühl, hier ist mir jemand freundlich gesinnt. Er steht nicht über mir, sondern neben mir. Er zeigt
echtes Interesse an mir. Er will mir wohl. Er will mich unterstützen. Er will mich ernst nehmen. Das zweite: Ich möchte gerne so reden, dass ich wiederkommen kann. Ich möchte nicht verletzen sondern verbinden.
Und trotzdem Wahres sagen dürfen. Ich möchte das Gefühl hinterlassen: Ich stehe mit beiden Beinen im Leben aber ich beschäftige mich trotzdem nicht nur mit Banalem und Profanem. Ich rede nicht nur übers Wetter und
über Kegeln, über Formel 1 und Urlaub auf Mallorca. Sondern mir geht es auch um ewige Werte.
Das dritte: Ich möchte gerne ein positives, aber realistisches Bild von der Gemeinde vermitteln, in der ich lebe. Ich bin gerne hier in dieser Gemeinde. Ich mag die Leute, die hier ein und
ausgehen. Ich mag Euch. Wir fühlen uns als Familie wohl hier in Sindelfingen. Ich fühle mich angenommen und akzeptiert –auch nach den Ereignissen des vergangenen Jahres. Ich finde, dass wir eine gute geistliche
Substanz in unserer Gemeinde haben. Ich finde auch, dass unsere Gottesdienste im kirchlichen Vergleich in Sindelfingen gut mithalten können. Ich finde, dass unser Kirchenumbau ein richtiger, wichtiger und guter
Schritt in Richtung Öffnung der Gemeinde ist. Und ich finde dass wir uns missionarisch nach außen öffnen sollten, wenn wir wachsen wollen.
Das alles versuche ich rüberzubringen, wenn ich von unserer Gemeinde rede. Bei allen Unzulänglichkeiten, die ich auch bei uns sehe, versuche ich doch, sie nicht in den Vordergrund zu
stellen. Ich rede nicht dauernd davon, was alles schlecht ist an der EmK in Sindelfingen, sondern ich möchte gerne motivieren, es doch mit dieser Gemeinde zu probieren.
Und ein viertes. Ich möchte gerne davon reden, was Jesus in meinem Leben getan hat und was er im Leben unserer Gemeinde tut. Dabei meine ich nicht, dass ich den Namen Jesu dauernd im Munde
führe. Aber ich meine, dass seine Gegenwart an meinem Verhalten an meinem Reden, an meinem Denken spürbar und sichtbar wird. Ich meine, dass das Wirken Jesu in unserem Leben erfahren wird. Dass er mit meinem und
unserem Alltag zu tun hat. Dazu müssen wir einander davon erzählen. Ein Beispiel ist so eine Postkarte wie die von letzter Woche, dass ein Kranker sich für die fürbittenden Gebete bedankt, weil er gespürt hat, dass
sie ihm Kraft gegeben haben.
Wovon soll mein Herz überfließen? Stellt Euch diese Frage mal selber. Ich habe Euch an meinen Überlegung teilhaben lassen. Aber was ist Eure eigene Antwort? Was möchtest Du, was aus dir
rauskommt?
Wenn Du diese Frage beantwortet hast, dann kommst Du auch relativ schnell zu der 3. Frage
Was muss darum in mein Herz hineinkommen?
Jesus säuselt in dieser Szene ja nicht nur, er wählt nicht nur, wohlige Worte, nach dem Motto: Macht Euch warme Gedanken, dann sprecht ihr auch warme Worte.
Sondern er sagt ganz klar: Das was ihr sagt, fällt letztlich auf Euch selbst zurück. Oder um es mit seinen eigenen Worten wiederzugeben: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden,
werden sie am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden.
Es geht nicht darum, dass wir auf einmal nur fromm reden sollen oder das wir nicht auch Banales aus unserem Alltag zu regeln hätten. Es geht auch nicht darum, dass wir nicht auch mal Witze
machen oder wenig Tiefgründiges reden. Aber es geht darum, aus welchem Herzen das kommt. Es geht darum, ob ich damit Gutes oder Schlechtes erreichen will oder erreiche, egal ob ich das wollte oder nicht. Es geht
darum, ob es Gott ehrt und den Menschen dient. Die Rede vom Gericht ist für mich die Hoffnung dass verletzende, böse, trennende Worte nicht das letzte Wort haben. Sie bleiben nicht ungehört und nicht ungesühnt. Ich
muss mich nicht damit abfinden, dass wenn andere es böse mit mir meinen, dass das auch in der Ewigkeit, geschweige denn bei Gott so bleibt.
Darum, wenn ich darauf achten will, was aus mir rauskommt, dann muss ich auch darauf achten, was in mich reinkommt.
Ich muss darauf achten was ich lese, was ich sehe, was ich spüre, was ich schmecke, was ich esse, mit welchen Leute ich mich umgebe, welche Überzeugungen ich mir aneigne, wie ich mit
negativen wie positiven Lebenserfahrungen umgehe.
Das alles ist nicht egal. Darauf kann und muss ich Einfluss nehmen, wenn ich Gott ehren und den Menschen dienen will.
Wenn ich will, dass Gottes Worte aus mir herauskommen, dann muss ich auch Gottes Wort in mich hineinlassen.
Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über
Ich möchte schließen mit ein paar Sätzen, die ich in einer Vorbereitungshilfe gelesen habe:
"Schlechte Worte sind wie Stiche, wie Stacheln, die verletzen. Unwahre Worte vergiften die Atmosphäre ebenso wie heuchlerische. Leer Worte, hinter denen keine Tat steht, machen
unglaubwürdig. Sie zerstören langsam jede Gemeinschaft. Gute Worte sind so notwenig wie Essen und Trinken. Wieviele hungern danach! Anerkennende Worte schaffen Verbindungsbrücken des Vertrauens. Lobende Worte sind
wie bunte Schmetterlinge, die unser Leben verschönern. Gütige Worte sind wie Balsam für die Seele. Worte des Glaubens lassen Jesus in dieser Welt wachsen.
Auf diesen Grundlagen lassen sich starke Gemeinschaften aufbauen, in denen sich jeder wohlfühlen kann."
Unsere Gemeinde soll eine solche starke Gemeinschaft sein. Darum achten wir darauf, was in uns hinein kommt und was darum auch aus uns heraus kommt. Gott gebe uns die Kraft dazu. Amen
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