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Bibeltext

31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.«

32 »Doch den Tag oder die Stunde, wann das Ende da ist, kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel - nicht einmal der Sohn. Nur der Vater kennt sie.

33 Seht zu, daß ihr wach bleibt! Denn ihr wißt nicht, wann der Zeitpunkt da ist. 34 Es ist wie bei einem Mann, der verreist. Er verläßt sein Haus und überträgt seinen Dienern die Verantwortung. Jedem weist er seine Aufgabe zu, und dem Türhüter befiehlt er, wachsam zu sein.

35 So sollt auch ihr wach bleiben, weil ihr nicht wißt, wann der Hausherr kommen wird: am Abend, um Mitternacht, beim ersten Hahnenschrei oder wenn die Sonne aufgeht. 36 Wenn er kommt, soll er euch nicht im Schlaf überraschen! 37 Was ich euch vier Jüngern hier sage, das gilt für alle: Bleibt wach!«

 

I. Einstieg

 

Ihr lieben Geschwister,

die Grundaussage dieses Predigttextes lässt sich schnell auf einen Satz bringen. Es ist eigentlich mehr eine Mahnung: Seid wach bis das Ende der Welt kommt und tut in der Zwischenzeit, was Gott Euch als Aufgabe zugesagt hat.

Zumindest der erste Teil dieser Mahnung erregt in mir Zustimmung und Auflehnung zugleich. Seid wach!

Auflehnung, weil ich denke. Geht das denn eigentlich: permanent wach sein? Immer auf der Hut sein? Immer wachsam sein? Immer auf die Zeichen der Zeit achten? Dabei auch immer wieder von den sich zum Teil widersprechenden Deutungen der sogenannten Endzeit-Experten irritiert werden? Ist das nicht eine Überforderung? Ständig wach sein? Frank Sinatra hat ja mal ein Loblied auf die Stadt gesungen die niemals schläft: New York! Ich war mal in New York. Nicht lange, nur vier Tage. Aber in dieser Stadt gibt es immer ein Grundgeräusch, ein Grundrauschen von den Autos, die eigentlich ständig fahren. Ist das erstrebenswert? Ständig wach sein? Brauche ich nicht auch meinen Schlaf? Brauche ich nicht auch Ruhe und Gelassenheit? Um unterscheiden zu können, was wichtig und was unwichtig ist. Ich beobachte eher, dass diese dauernde Beanspruchung von Menschen dazu führt, dass sie ermüden, dass sie nach Entlastung suchen, dass sie sich für nichts mehr oder zumindest für nichts Neues mehr engagieren wollen.

Meine Zustimmung erhält diese Aussage Jesu, weil ich denke: Wir können die Welt nicht sich selbst überlassen. Gerade wir Christen nicht. Diese gnadenlose Welt braucht das Evangelium von der befreienden Gnade Gottes in Jesus Christus. Sie braucht die Zusage, dass nicht alles so bleibt wie es ist, dass die Ungerechtigkeit nicht siegen wird, dass Hunger, Leid und Tod ein Ende haben, dass etwas Neues kommt, eine neue Erde und ein neuer Himmel. Die Welt braucht unseren Einsatz als Christen. Von wem sollen die Menschen denn hören, dass jemand mit Ihnen gelitten hat? Dass jemand für sie gestorben ist? Dass sie ihre Schuld bei ihm abgeben können. Dass er nicht im Tod geblieben sondern auferstanden ist. Und dass jedem, der an ihn glaubt ein neuer Anfang geschenkt wird. Von wem sollen die Menschen denn hören, dass Jesus sie aus ihrer Not retten will. Von wem sollen sie das hören, außer von denen, die mit Jesus in Verbindung stehen? Von denen, die sich in seinem Wort auskennen? Die eine Hoffnung über den Tod hinaus haben.

Außerdem habe ich immer wieder diese Geschichte im Kopf, die ich Euch schon mal erzählt habe. Sie handelt von einem Regionalparlament in Amerika, dass eines Tages tagte, als eine Sonnenfinsternis ausbrach. Die Menschen in dem Plenarsaal gerieten in Panik. Bis der Parlamentspräsident mit seinem Hammer auf den Tisch klopfte und sagte: Meine Herren! (damals waren es nur Männer!) Entweder der Herr kommt nicht wieder – dann gibt es keinen Grund zur Panik. Oder aber er kommt wieder – und dann soll er uns bei der Arbeit vorfinden.

Diese Geschichte spornt mich an, das zu tun, wozu Gott mich beauftragt hat, an dem Ort, an dem ich wohne, zu dem Zeitpunkt an dem ich gerade lebe.

 

Die Frage ist wohl: Wie kann ich eine ausgewogene Balance finden zwischen Arbeit und Ruhe, zwischen Aktion und Kontemplation, zwischen Wachsamkeit und Müdigkeit, zwischen Aktivität und Passivität, zwischen Tun und Lassen?

 

Drei Beobachtungen am Text helfen mir da weiter

 

II. Himmel und Erde werden vergehen

Die erste: Jesus sagt: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht; sie bleiben gültig für immer und ewig.

Dass die Erde vergehen wird, sagen uns nicht nur die, die aufmerksam die Bibel lesen, sondern auch den Spiegel. Der schrieb zum Beispiel 1982, dass stündlich eine Tier- oder Pflanzenart ausstirbt. Da pfuscht der Mensch dem Schöpfer ins Handwerk. Dass der Mensch im Nu (grie: in atomo) mit einem Knopfdruck die Menschheit auslöschen kann ist trotz aller Abrüstung nach wie vor so. Vielleicht braucht der Mensch eines Tages Gott gar nicht mehr, um die Erde vergehen zu lassen. Vielleicht tut er es schon selber.

Wie der Himmel vergeht, das vermag ich mir nicht vorzustellen. Ich weiß, dass es immer wieder Sterne gibt, die verglühen, die aufhören zu existieren, dass auch neue entstehen. Ich weiß, dass das Weltall ständig in Bewegung, in Veränderung ist. Ich weiß, dass wir in einem ganz komplizierten Planeten-Gefüge leben, dass uns Menschen nur hier auf der Erde das Überlegen ermöglicht. Dass Gott dieses ganze Sternengewirr neu schaffen wird, traue ich ihm schon zu. Aber es übersteigt mein menschliches Vorstellungsvermögen. Ob die Astrophysiker uns da weiterhelfen können?

Eines jedoch entnehme ich dem Text: Jesu Worte überdauern das alles. Sie sind offenbar nicht von dieser Welt. Sie stehen darüber. Sind auf jeden Fall nicht der Vergänglichkeit preisgegeben. Man könnte sicher provokativ die Frage stellen, ob denn Jesu Worte nicht unter diesen Himmel auf diese Erde gehören? Gehören sie nicht nur in diesen Raum und diese Zeit? Sind sie nicht nur an uns Menschen gerichtet, damit wir sie hören?

Vielleicht ist es gerade gut, dass es Worte gibt, die Ewigkeitswert besitzen, die Raum und Zeit überdauern. Passt das nicht zu dem Gott, der sich vorstellt als: Ich bin der "Ich-bin". Ich bin der Ewige, der Stetige, der an dem ihr Euch anlehnen könnt. Ist das nicht gerade eine Trostbotschaft in einer Zeit, in der sich alles so rasant verändert? In der von allen - zumindest Berufstätigen - Flexibilität und Mobilität erwartet wird. In der menschliche Werte wie z.B. Treue, Heimat, Verbindlichkeit u.v.a.m. einem Erosionsprozess unterworfen sind. In deren Schnelligkeit und Schnelllebigkeit mittlerweile nicht wenige eine Entschleunigung fordern.

Gottes Worte gelten ewig. Gottes Wort ist in Jesus Mensch geworden. Es ist zu uns gekommen und hat uns gesagt, wie Gott sich unser Leben vorstellt.

Seht zu, daß ihr wach bleibt! Jedem weist er seine Aufgabe zu.

 

IV. Wach sein!

 

Was das "Wach sein" bedeutet, hat Bettina Gfell in ihrem Leitartikel in der heutige Ausgabe von unserer Kirchenzeitung "unterwegs" beschrieben. Für alle Nicht-Abonnenten habe ich den Artikel hinten zum Mitnehmen auf's Brett unter der Infowand gelegt.

Kurz zusammengefasst bedeutet für sie Wachsein: Die Welt um uns herum mit aufmerksamen Augen beobachten. Wahrnehmen, was bewegt die Menschen? Wo liegt die Welt im Argen? Was sind die Themen, die momentan dran sind. Und dann überlegen, was können wir als Christen in dieser Situation tun. Wo bin ich als Christ oder Christin gefragt?

Menschen, wie die Mitarbeiter von Shelter Now in Afghanistan haben das sicher für sich gefunden. Aber wo ist meine Aufgabe in dieser Welt. Was ist die Aufgabe, die Gott mir in dieser Situation zugewiesen hat? Das ist die Frage, die ich mir stellen muss. Ist meine Aufgabe eher an der Seite meines Ehepartners oder meine Familie, die meine Aufmerksamkeit und Hilfe braucht. Ist es meine Gemeinde oder mein Freundeskreis? Ist es der Ort, in dem ich wohne oder das Land?

 

III. Jeder hat seine Aufgabe

Gott hat jedem und jeder von uns Begabungen und Talente gegeben. Mit denen sollen wir wuchern und unsere Aufgaben bewältigen. Dazu muss ich sie natürlich kennen. Aber die kann man auch rausfinden. Da gibt's heute genügen Selbsttests Oder man kann Gott bitten, sie einem zu zeigen. Viele haben sie auch schon längst in Ihrem Leben gefunden und leben sie aus. Manche mögen denken, ich bin schon alt und werde schwächer und kann meine Gaben nicht mehr so einsetzen. Aber auch für die hat Gott noch Aufgaben. Alte Christen können beten, sie können telefonieren, Briefe schrieben, vielleicht Besuche machen. Manche von denen, die nur noch im Bett liegen, können vielleicht sogar die trösten, die sie besuchen. Wach sein und meine Aufgabe wahrnehmen, das ist die Mahnung, die uns dieses Jesus-Wort mitgibt. Und es stärkt uns durch die Zusage, dass Gottes ewiges Wort unser Kraftquelle unterwegs ist. Hier können wir auftanken. Hier können wir uns Zuspruch holen. Hier können wir Ermutigung finden. Hier können wir für unsere Aufgabe ausgerüstet werden, das geistliche und geistige Fundament bekommen.

Gott gebe Euch die Kraft, wach zu sein. Er gebe Euch die Fähigkeit mitzuleiden. Er gebe Euch den Mut und die Zivilcourage zum Einsatz in Eurer Lebenswelt. Und er gebe Euch das Vertrauen auf den der Euer Leben in der Hand hält und Euch jeden Tag leitet und führt. Amen.

Zum Schluss möchte ich Euch noch die Legende vom Schuster Konrad mit auf den Weg geben:

(Hoffsümmer KG 2/6)

 

 

 

 

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