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Liedtext

1. Ohne Anfang, ohne Ende bist du Gott und doch wirst du ganz klein, kommst hinein in unsre engen Wände , wirst ein Kind um nah bei uns zu sein.

2. Ohne Anfang, ohne Ende suchten wir in unsrer Nacht nach dir, doch daqmit dich jeder von uns fände, scheint dein Stern in unser Dunkel hier.

3. Ohne Anfang, ohne Ende hast du Kraft und hast du Herrlichkeit. Doch du gibst dich hin in Menschenhände und wir laden Schuld auf dich und Leid.

4. Ohne Anfang, ohne Ende scheint das Reich des Bösen sich zu freun. Doch du nimmst trotz aller Widerstände diese Welt mit deiner Liebe ein.

5. Ohne Anfang, ohne Ende hast du dich zu dieser Welt gestellt. Komm in unsre Herzen, unsre Hände; komm in uns und komm durch uns zur Welt.

(Wir singen die erste Strophe.)

Ihr Lieben,

der Anfang dieses Liedes, dieser ersten Strophe erregt zunächst bei mir Widerstand. Ohne Anfang, ohne Ende bist du Gott. Aus der Bibel hatte ich bisher was anderes im Kopf. Lässt doch Gott in der Offenbarung zweimal schreiben: Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (21,6) und Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende. (22,13). Das A und das O, stehen für das Alpha und das Omega, den ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets. Mit den Buchstaben des Alphabets werden Worte gebildet. Gott hat demnach das erste und das letzte Wort. Bei der Schöpfung schafft er durch das Wort. Und am Ende der Tage wird er auch durch das Wort richten. Um im Bild der Offenbarung zu bleiben: Er wird auch durch das Wort einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Das Wort hat bei Gott immer schöpferische Kraft. Durch das Wort tut Gott was er will. Gott tut, was er sagt. Das ist ein wesentlicher Grund für seine Verlässlichkeit. Das Wort ist aber zugleich auch in Jesus Christus personifiziert. In Jesus ist Gottes Wort Mensch geworden. So lesen wir es ganz am Anfang des Johannesevangeliums:

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. ... Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1, 1+14)

Jesus war also von Anfang an mit dabei. Er hat die Welt mit erschaffen. Das ist die Überzeugung der Bibel. Der heilige Geist war übrigens auch dabei. Immerhin steht gleich am Anfang der Bibel Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.

Gott hat also in seiner dreifachen Ausprägung als Vater, Sohn und Heiliger Geist die Welt erschaffen. Von Anfang an waren die Macht des Schöpfers, des Erlösers und der erneuernden Kraft mit dabei.

Und wenn sie den Anfang gesetzt haben, dann müssen sie auch vor dem Anfang schon da gewesen sein. Wenn ich einen Brief anfange, dann ist ja nicht der Brief der Anfang sondern ich, der ich ihn schreibe. Also muss auch der dreieinige Gott schon vor allem Anfang da gewesen sein. Nicht umsonst schreibt Sir 39,25 Gott sieht alles vom Anfang der Welt bis ans Ende der Welt, und vor ihm ist kein Ding zu wunderbar.

Und Hebräer 7,3 sekundiert über Melchisedek: Er ist ohne Vater, ohne Mutter, ohne Stammbaum, und hat weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens. So gleicht er dem Sohn Gottes und bleibt Priester in Ewigkeit.

Insofern hat Manfred Siebald, unser Liederdichter etwas Richtiges erkannt. Wenn Gott Anfang und Ende der Schöpfung ist, dann steht er als ihr Schöpfer darüber. Dann ist er ohne Anfang und ohne Ende.

Was sollen wir damit anfangen, wenn wir wissen, dass Gott und Jesus Christus ohne Anfang und ohne Ende sind? Was bedeutet das für uns? Gerade an Weihnachten? Es führt uns zunächst einfach die Größe und Unendlichkeit Gottes vor Augen. An was für einen Gott würden wir denn glauben, wenn er er Anfang und Ende hätte. Dann wäre er ein Produkt derer die selber Anfang und Ende haben, dann wäre er von Menschen gemacht und ausgedacht. Dann wäre er ein Götze. Die Unendlichkeit Gottes drückt zugleich sein Ungreifbarkeit für uns Menschen aus. Und erst wenn Gott für uns unverfügbar geworden ist, kann er wirklich Gott sein. Kann er auch die Macht haben, diese Welt in seiner Hand zu behalten, sie zu retten, aus ihr was Neues zu machen. Aus mir was Neues zu machen.

Und das ist das Besondere an Weihnachten: dieser große und erhabene Gott begibt sich von sich aus, ganz freiwillig in unsere Welt, wird ganz klein. Wird ein Mensch wie wir. Der Gott des Universums kommt hinein in unsre engen Wände. Welch eine Selbstbeschränkung Gottes muss das gewesen sein! Gott der die ganze Welt kennt, wird Mensch, ganz armselig und klein in einem winzigen Nest in Israel. Er der die ewige Weisheit ist (Sirach 39, 25) begibt sich in die Enge und Kleinheit unserer Gedankenwelt.

Gott tut das, um nah bei uns zu sein. Gott will nah bei uns sein, weil wir nicht nah bei ihm sein können. Wir Menschen streben immer nach Selbstbestimmung. Wir wollen selber wer sein, unser Leben selber gestalten, das heft unsres Leben selbst in der Hand behalten. Und meinen, Gott dazu nicht zu brauchen. Das ist übrigens nicht nur ein Anspruch von Atheisten oder Materialisten. Sondern das geht uns als Christen genauso. Wie viele Stunde, wie viele Tage gestalten wir ohne nach Gott zu fragen. Ohne Gott zu fragen, wie er das denn machen würde, oder was er dazu meint. Es gibt so vieles, das tue ich aus meinem eigenen Gutdünken. Gut gemeint und schlecht gemacht, oberflächlich ausgedacht, ist so vieles, es verdorrt, ohne dein Wort. Dichtet der ostdeutsche Liedermacher Jörg Swoboda. Und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Wir machen vieles so wie wir uns das so denken, mit unseren sogenannten gesunden Menschenverstand. Der ist bei uns Christen, ja sicherlich auch an Gottes Wort geschärft. Aber seien wir mal ehrlich. Wir haben oft genug die Erfahrung gemacht, dass wir etwas Gutes gewollt haben und dann doch Schlechtes dabei heraus gekommen ist. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir etwas mit unserem "gesunden Menschenverstand" angeleiert haben und hinterher war es ausgeleiert. Nein, wir Menschen wollen unser Leben selbst bestehen können. Und dazu wollen wir Gott im Grunde nicht brauchen müssen. Wir wollen von uns aus keine Beziehung mit Gott. Aber Gott will eine zu uns. Und deshalb kommt er in Jesus Christus in unsere Welt. Begibt sich in unsere engen Wände. Auf unser Niveau.

Die zweite Strophe nimmt diesen Gedanken noch mal auf:

Ich sagte eben: Wir machen die Erfahrung, dass unser gesunder Menschenverstand nicht ausreicht, um unser Leben bestehen zu können. Manche Menschen erleben das als Dunkelheit. Und in dieser gottverlassenen Dunkelheit beginnen sie vielleicht nach Gott zu suchen. Dort wo sie am Ende sind, suchen sie nach dem Unendlichen. Und damit sie ihn finden, lässt Gott ein Licht leuchten. Der Stern von Bethlehem ist ein Symbol dafür. Die Sterndeuter aus dem Morgenland sind ihm gefolgt, um den König der Welt zu finden. Und sie fanden das Kind in der Krippe. Den Gott, der Mensch wurde wie wir.

Wir singen die dritte Strophe:

Ich hatte vorhin schon davon gesprochen, dass Gott unendlich sein muss, damit er Gott sein kann. Zu seiner Gottheit gehört aber eben auch unendliche Kraft und wunderbare Herrlichkeit. Gott aber gibt in Jesus Christus diese Kraft auf und begibt sich in Menschenhände. Er begibt sich in die Hände des jüdischen hohen Rates, in die Hände des Pilatus, in die Hände der römischen Soldaten, die ihn kreuzigen. Er begibt sich aber auch in unsre Hände. In die Hände, die sich ihn zurechtformen wollen. Ihn ihrem Glauben und ihrer Vorstellungswelt anpassen wollen. Die ihn verkürzen und einschränken wollen. In die Hände der Friedensbewegten, für die vor allem die Bergpredigt zählt. In die Hände der Pietisten, für die vor allem die Evangelisation zählt. In die Hände der Charismatiker, für die vor allem seine machtvollen Taten zählen. Alles richtig. Aber alles auch einseitig. Und in ihrer Einseitigkeit eben auch in engen Wänden.

Wir Menschen laden Schuld auf Jesus, wenn wir Schuld auf uns laden. Wir laden Leid auf ihn, wenn wir anderen Leid zufügen. Denn wo sollen wir denn hin mit unser Schuld und mit unserem von uns verursachten Leid? Wo können wir das denn abladen, wenn nicht unter dem Kreuz Jesu? Wenn wir seine Vergebung in Anspruch nehmen wollen, dann muss er diese Schuld auf sich nehmen. Dafür ist er am Kreuz gestorben. Und gerade dadurch wird uns ein Neuanfang ermöglicht.

Wir singen die vierte Strophe:

Wenn Schuld und Leid in unserer Welt Oberhand gewinnen, dann freut sich das Reich des Bösen. Jesus selbst hat ja auch Erfahrungen mit der Welt des Bösen gemacht. Als der Teufel ihn auf der Zinne verführen wollte, ihn anzubeten. Als er böse Mächte aus Menschen austrieb. Als er sich mit Kritikern und Widersachern auseinandersetzen musste. Als das Böse ihn schließlich verurteilte und ans Kreuz schlug.

Und trotzdem hat Gott in Jesus Christus gezeigt, dass er diese Welt liebt. Gerade indem Jesus sich in unsere Welt des Bösen hinein begeben hat, hat er gezeigt, dass er sie liebt. Was sonst als Liebe sollte ihn dazu gebracht haben, sich freiwillig aus seiner Herrlichkeit in unsere Welt zu erniedrigen? Und gerade dass er dem nicht ausgewichen ist, gerade weil er unsere Leiderfahrungen mit dem Bösen geteilt hat, können wir ihm seine Liebe glauben. In seinem Leiden und Sterben am Kreuz wird seine Liebe zu uns glaubhaft. Dass Jesus sein Kreuz auf sich genommen hat oder besser gesagt unser Kreuz auf sich genommen hat ist der Beweis für Gottes Liebe. Paulus schriebt das in Römer 5,8 genau so: Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, daß Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Jesu Tod am Kreuz ist das Zeichen für Gottes Liebe zu uns. Und indem er das tut gewinnt er die Welt. Nimmt er sie ein. Das Kreuz ist das Zeichen des Sieges über Sünde, Tod und Teufel.

Wir singen die 5. und letzte Strophe.

Gottes Liebe zu uns Menschen und unserer Welt ist bedingungslos. (Ehering abziehen und zeigen) Ein Ehering ist ein Zeichen der Liebe zwischen zwei Menschen. Er hat keinen Anfang und kein Ende. So ist auch Gottes Liebe zu uns Menschen ohne Anfang und ohne Ende. Er hat uns geschaffen und darum liebt er uns. Hans-Joachim Eckstein ist sogar soweit gegangen zu Gott zu sagen. (Buchtitel hochzeigen) Du liebst mich, also bin ich.

Meine Existenz, dass ich lebe, verdanke ich der Liebe Gottes zu mir. Er wollte, dass ich leben und darum hat er mich geschaffen. Meine Eltern wollten ein Kind. Aber Gott wollte mich. Er wollte mich als Gegenüber. Und er liebt mich all seiner Kraft.

Und er wünscht soich so sehr, dass ich, dass wir sein Liebe erwidern.

Jeder Mensch, der liebt möchte gerne, dass seine Liebe Gegenliebe findet. Möchte gerne widergeliebt werden. Manche veranstalten dafür erstaunliche Liebesbeweise. Gott hatb seine Liebe zu uns im Leben, Sterben und Auferwecken seines Sohnes Jesus Christus bewiesen.

Und er möchte gerne, dass wir, diese Liebe annehmen. Er möchte gerne, dass wir ihn wieder lieben. So wie jeder Liebende das möchte.

Eine Beziehung wird erst dann lebendig, wenn ihre Liebe gepflegt wird. Wenn sie nicht erwidert wird, vertrocknet die Liebe zwischen Menschen mit der Zeit. Gott aber erhält sein Liebe zu uns aufrecht, auch wenn wir uns ganz weit von ihm entfernt haben. Er liebt uns trotzdem – auch wenn wir ihn nicht lieben oder nicht mehr lieben.

Aber wenn wir eine Sehnsucht nach Geliebt-Werden in uns verspüren, dann dürfen wir ihn bitten: Komm in unsre Herzen unsre Hände. Eine so aufrichtig vorgetragene Bitte erfüllt gott ganz bestimmt. Wenn ihr mich von Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen. Das ist die Zusage Gottes an solche, die geliebt werden wollen. Wen diese Liebe einmal ergriffen hat, wer diese Liebe annehmen konnte und in wem sie wiederliebe geweckt hat, der kann diese Liebe nichtb für sich behalten. Bei dem muß die Liebe handfest werden, durch den muss sie zur Welt kommen. Gebe Gott, dass jeder von uns – gerade jetzt an Weihnachten - diese Liebe spüren darf, sie annehmen kann, und seinerseits diese Liebe Gottes in seine Welt tragen kann. Denn Gottes Liebe ist ohne Anfang und ohne Ende.

Amen.

 

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