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Predigt vom 30.10.2022

1Kor 14, 26 „Wenn ihr zusammenkommt, kann jeder etwas beitragen: einen Psalm, eine Lehre, eine Vision, eine Rede in unbekannter Sprache oder eine Deutung dazu. Alles soll dazu dienen, die Gemeinde aufzubauen.“

 

Ihr Geliebte Gottes!

 

Nehmen wir das ernst?

Jeder.

Jeder kann.

Jeder kann etwas.

Jeder kann etwas beitragen.

Alles soll dazu dienen, die Gemeinde aufzuerbauen.

 

Wir sind als Bezirke Böblingen und Sindelfingen grad an einem interessanten Zeit-Punkt. Das hat ganz verschiedene Gründe, nicht nur das gemeinsame Personal und die Frage, ob die zwei Bezirke zusammengehen sollen. Auch Corona hat uns durchgeschüttelt. Auch die Energiekrise und alle anderen Krisen tun das Ihre. Der demographische Wandel, dass die Jungen so sehr fehlen. Überhaupt der Mangel, den haben wir lange nicht mehr so erlebt wie jetzt.

 

Mancher von uns ist in diesen Zeiten am überlegen, wie es weitergehen soll kirchlich und auch ganz persönlich. Werde ich mich aufmachen in den Gottesdienst in Holzgerlingen? Oder: Nutze ich die Chance der Veränderung, mich zurückzuziehen.

Schaffen wir als Einzel-Gemeinde am Ort einen Aufbruch und etwas Neues oder fehlt uns die Energie und Kraft? Schaffen wir es als Bezirke? Gemeinsam?

Woher nehmen wir die Motivation, fröhliche Christen zu sein in einer Zeit, in der sich scheinbar niemand für Kirche interessiert?

Wie gehen wir mit den kleiner werdenden Gruppen um? Und damit, dass im Gottesdienst neben mir jetzt andere Leute sitzen – Fremde. Die, von denen ich mich vielleicht sogar jahrzehntelang abgegrenzt habe.

 

Schaffen wir das, aus den verschiedenen Leuten und Gemeinden EIN Puzzle zu machen? Wollen wir das überhaupt?

 

Liebe Geschwister, es ist Zeit, sich darauf zu besinnen, wer wir sind als einzelne Christen, als Gemeinden. Auf welchem Grund wir stehen.

Auf dem, der gelegt ist in Jesus Christus. Wir haben EINEN Geist und EINEN Herrn und EINEN Gott.

Alle den Gleichen.

So bunt wir auch sind. So vielsprachig. Viel-gedanklich. Aus vielen Orten. Verschiedenen Traditionen. Menschen mit verschiedenen Gaben. Und verschiedener Geschichte.

Wir haben verschiedene Aufgaben in unseren Städten und Orten. Was für Sindelfingen gut ist, ist es für Altdorf nicht unbedingt. - Das wird bleiben. Und wir haben verschiedene Arten, unseren Glauben zu leben. Auch das wird bleiben.

Im günstigen Fall regen wir uns gegenseitig an.

 

Aber aus Christi Sicht sind wir EIN Leib. Und das war – sehen wir doch am Korintherbrief! - immer schon eine Herausforderung.

Und ich glaube, in solchen schweren Zeiten, in der wir Orientierung für uns brauchen, ist das wichtig, sich darauf zu besinnen: WIR SIND DER LEIB CHRISTI.

 

Lassen wir uns anregen von der jungen Gemeinde in Korinth und nehmen Paulus Brief einmal wörtlich. Gottes Wort.

 

1.      „Denn als wir getauft wurden, sind wir durch den einen Geist alle Teil eines einzigen Leibes geworden – egal ob wir Juden oder Griechen, Sklave oder freie Menschen waren. Und wir sind alle von dem einen Heiligen Geist erfüllt worden.“ (12,13 Basisbibel) Egal ob wir Juden oder Griechen, Sindelfinger oder Altdorfer, Nigerianer, Briten, Perser oder Deutsche, Junge oder Alte, Kranke oder Gesunde, Reiche oder Arme sind. Zu einem Leib getauft. – Wer von euch ist getauft? – EIN Leib. Der Leib Jesu. – Das ist deine Schwester, dein Bruder neben dir. Da ist der, der für dich sprechen kann oder die, die dir die Beine ersetzt. Zu einem Leib getauft.

 

2.      „Selbst wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Körper. Gehört er nicht trotzdem zum Körper?“ (12,15 Basisbibel) – Echt jetzt? Wenn der Holzgerlinger sagen würde: Ich bin kein Sindelfinger. Sollte er deshalb nicht auch Mitglied in der gleichen Kirche Jesu Christi sein und zum anderen gehören? Was für eine Frage, würde Paulus sagen. Natürlich ist er das! Wir sind schon viel mehr verbunden als wir denken! Schlicht und einfach, weil wir denselben Herrn haben. Was ist es mit dem Abgrenzen?

 

3.      „Deshalb kann das Auge nicht zur Hand sagen: ich brauche dich nicht! Oder der Kopf zu den Füßen: Ich brauche euch nicht!“ (12,21 Basisbibel) – jeder braucht jeden. Ohne den anderen fehlt immer was. Die Tendenz von Gemeinden oder auch Gruppen, sich abzuschotten, ist zwar menschlich völlig verständlich, aber nicht geistlich. Jeder braucht jeden im Reich Gottes.

Können wir sehen, dass wir einander brauchen. Dass es besser ist zusammen im Reich Gottes. Weil zu wenige Kinder in den Einzelgemeinden sind. Weil wir manchmal überlegen, ob wir genug Mitarbeiter haben für den Gottesdienst. Weil das hauptamtliche Personal weniger geworden ist und die Monatsbeiträge und Mitgliederzahlen auch. Und: es ist keine Schande, überhaupt kein Scheitern, zu sagen: wir brauchen einander.

Paulus findet es sogar eigentümlich, wenn man diesen Satz mit dem „ich brauche dich…“ nicht sagt. Im Gegenteil.

 

4.      „Denn im Leib darf es keine Uneinigkeit geben, sondern alle Teile sollen füreinander sorgen. Wenn ein Teil leidet, leiden alle anderen Teile mit. Und wenn ein Teil geehrt wird, freuen sich alle anderen Teile mit.“ (12, 25f)

Wie schön, wenn sich alle über den Erfolg des Herbstfestes freuen und auch gerne mitfeiern. Und wie gut, wenn alle mitfiebern, wie viele Leute wohl zur Suppe für die Seele kommen. Und sich freuen, wenn es gelingt, vielleicht sogar mit einspringen, wenn der Erfolg richtig groß wird. Dann hat Gott gesegnet! Da will ich doch dabei sein! Mitfreuen über die Freude des anderen. Mitleiden, wo etwas misslungen ist uns gegenseitig trösten.

Im Leib ist es so: Wenn ich Kopfweh hab, dann geht’s dem ganzen Rest nicht gut. Wenn mein Fuß gebrochen ist, dann ist der Rest lahmgelegt. Mitleiden. Mitfreuen. Weil wir ein Leib sind.

 

5.      „Und Gott hat jedem in der Gemeinde seine Aufgabe zugewiesen. Da gibt es erstens die Apostel, zweitens die Propheten, drittens die Lehrer. Dann gibt es die Fähigkeit, Wunder zu tun. Manche haben die Gabe zu heilen. Wieder andere können Hilfe leisten oder Aufgaben in der Leitung übernehmen. Wieder andere können in unbekannten Sprachen reden. Sind etwa alle Apostel oder Propheten oder Lehrer? Haben etwa alle die Fähigkeit, Wunder zu tun? Oder haben alle die Gabe zu heilen? Können alle in unbekannten Sprachen reden? Oder können alle diese Sprachen deuten?“ (12,28-30)

Ja, ihr alle, es gibt sie, die Apostel, die als Laienprediger das Wort Gottes auslegen. Es gibt die Propheten, auf deren Wort gehört wird im Ausschuss Zusammenwirken und in den Hauskreisen.

Und es gibt die Lehrer – nicht nur in der KinderKirche, auch bei der Jugend und in Fraudich! Manche von uns unterstützen Fremde, Geflüchtete oder einfach gestrandete Leute. Andere können übersetzen, in andere Sprachen auch in die Sprachen der Liebe oder Sprache für die Schönheit.

Aber niemand kann alles. Niemand muss alles können. Und niemand sollte alles tun.

Neben mir muss immer auch ein leerer Platz bleiben für andere, die diese Gabe haben und noch nicht da sind oder sich grad aufmachen, ihren Platz zu finden.  

 

Können wir mit diesen paulinischen Hilfen unsere Blockaden und Hürden und Vorbehalte überwinden? So dass keiner geht, dass keiner sich ungesehen fühlt, dass wir alle die Krisen der Zeit miteinander und v.a. mit Gott überwinden?

Kann jeder sich so einbringen, dass es ein Ganzes wird?

 

-          Getaufte gehören zusammen

-          Niemand zieht sich heraus, jeder ist Teil

-          Wir brauchen einander

-          Wir sorgen füreinander, leiden mit und freuen uns mit

-          Jeder hat seinen Platz

 

Jeder.

Jeder kann.

Jeder kann etwas.

Jeder kann etwas beitragen.

Alles soll dazu dienen, die Gemeinde aufzuerbauen.

 

Amen.

 

Ich möchte gerne an jeden von euch so ein Puzzleteil austeilen mit der Bitte, über alles noch einmal nachzudenken. Die eigene Position zu überdenken.

Wenn ihr das gemacht habt – erst dann – gestaltet euer Puzzleteil und bringt es beim nächsten Gottesdienst (am 17.11., 1. Advent) wieder mit, um es einzufügen.